Gründerin Stephanie Bräuer

7 Fragen – 7 Antworten

Es ist großartig, dass Du Dich für die Culinary Ladies interessierst.

Und weil Du dem Netzwerk viel über Dich erzählen sollst, ist es ja nur angebracht, dass ich auch ein bisschen darüber erzähle, wer ich bin und warum ich die Culinary Ladies gegründet habe. Dazu beantworte ich hier einfach mal die wichtigsten Fragen, die mir zu diesem Thema tatsächlich fast immer gestellt werden.

Stephanie, was machst Du eigentlich, woher kommst Du?

Das muss ich ein wenig zusammenfassen. Wer mehr wissen will, kann auch gerne auf der Website meines „anderen“ Lebens www.stephanie-braeuer.de nachlesen. Trotzdem kurz meine Stationen: 10 Jahre Pressearbeit oder Redaktion im Medienbereich (von TV-Sender über Produktionsfirma bis zum Hörfunk.

Dann meinen Mann kennen gelernt und durch ihn, den Koch, die Branche. Gemeinsam nach Düsseldorf gezogen, dort zunächst noch als PR-Journalistin für UNICEF gearbeitet, dann der Gastronomie verfallen und meine PR- und Marketing-Tätigkeit in den nächsten Jahren in diesem Bereich ausgeübt, selbstständig und mit drei weiteren Ortswechseln (Berlin, Kitzbühel und wieder zurück in die Heimat, nach München).

Dort festgestellt, dass ich irgendwie meinen eigenen Weg verloren hatte (wofür ich selbst verantwortlich war) und überlegt, was ich wirklich will. Die Konsequenz: Meinen Schwerpunkt auf Schreiben und Textprojekte verlegt. Ein paar Fachzeitschriften, Kundenzeitschriften für Gastroprojekte und Bücher, ein erstes selbst, dann Beteiligung an anderen auch als Ghostwriter.

Den Wunsch nach einem eigenen Projekt verspürt, die Idee für die Culinary Ladies als Online-Magazin entwickelt, zuerst aber noch ein Buch über Spitzenköchinnen geschrieben (unter dem wie sich herausstellen sollte kontroversen Titel „Frauen an den Herd“), Ende 2018 mit www.culinary-ladies.de angefangen. Durch die vielen Gespräche gemerkt: Da muss irgendwie mehr passieren. Ende 2019 das Netzwerk gegründet.

Und wieso die Culinary LADIES, also Frauen?

Erstens habe ich irgendwann gemerkt, dass ich in dieser Branche sehr viele Männer und viel zu wenig Frauen kennen gelernt habe. Und zweitens: Ich kombiniere gerne Erfahrung mit Neugierde. Die Culinary Ladies sind die ideale Kombination: Ich bin eine Frau, da habe ich Erfahrung. Ich kenne mich mich Marketing aus, nochmal Erfahrung. Und ich bin wahnsinnig neugierig auf die Frauen, die ich jetzt fast täglich kennen lerne.

Geht es bei den Culinary Ladies nur darum, über Frauen der Branche zu schreiben oder zu sprechen  – oder steckt da noch mehr dahinter?

Über diese Frauen zu schreiben und/oder zu sprechen, dient der Sichtbarkeit. Dazu hätte das Online-Magazin genügt. Ein Netzwerk kann aber natürlich viel mehr. Vor allem dann, wenn alle Mitglieder aktiv mitmachen. Deswegen haben wir auch die Culinary Ladies unter das Motto „Voneinander – füreinander – sichtbar werden“ gesetzt. Jede lernt in diesem Netzwerk von den anderen, wir unterstützen uns gegenseitig, bekommen aber auch immer wieder Ideen, Anregungen von außen. Ich habe sehr schnell gelernt, dass es meine Aufgabe ist, Aktionen, die das unterstützen, anzustoßen, also die richtigen Impulse zu geben. Ob das unsere Aktion „Culinary Duett“ ist oder unsere Online-Meetings mit aktuellen Themen, da müssen sich die Mitglieder auch einbringen – und profitieren dann tatsächlich enorm.

Würdest Du Dich als Feministin bezeichnen?

Ach je, ich mag solche Label nicht. Erst recht nicht, wenn Sie von unterschiedlichen Seiten mit so ganz unterschiedlichen Emotionen verbunden sind. Aber ja, ich bin Feministin, wenn es darum geht, sich für Frauen, ihre Chancen und – bitte selbstverständlichen – Rechte stark zu machen.

Aber ich möchte vor allem, dass wir Frauen uns einfach mehr trauen, mit einem ganz eigenen Selbstbewusstsein unseren eigenen Erfolgsweg gehen. Ich finde es gerade sehr spannend, wie sehr sich in manchen Themen die Sichtweisen der unterschiedlichen Generationen unterscheiden, auch wenn alle das gleiche Ziel haben: Frauen stark zu machen und in ihrer Stärke zu zeigen.

Es ist bewundernswert, was Frauen vor uns erreicht haben und mit welchem Einsatz. Aber es gab eben auch immer wieder Rückschritte und ich weiß auch, dass wir noch nicht am Ende sind. Ich bin mir aber sicher, dass wir auf dem Weg Männer mitnehmen, immer wieder auch mit ihnen kommunizieren müssen. Es gibt die Unbelehrbaren, da ist Hopfen und Malz verloren – und da muss man/frau ganz konsequent sein. Aber es gibt auch viele, die durchaus zuhören und verstehen. Doch dazu ist die gemeinsame Kommunikation notwendig.

Und wenn eine Culinary Lady doch Probleme hat?

Eines ist mir ganz besonders wichtig: Ich habe nie die Augen vor Problemen zugemacht und werde das auch nie tun. Deswegen haben wir für Mitglieder auch Ansprechpartnerinnen, wenn sie sich mit einem beruflichen Problem an uns wenden. Ich möchte aber den Schwerpunkt der Culinary Ladies darauf legen, diese Frauen zu feiern und mich nicht auf ihre Opferrolle konzentrieren. Das haben sie nicht verdient.

Aber ich liebe die Diskussion mit anderen Frauen zu diesem Thema. Denn ich lerne jedes Mal daraus, so wie hoffentlich auch meine Mitdiskutant*innen. Besonders beeindruckt hat mich dabei eine Aussage der wunderbaren Asma Khan: „In order to be strong, we have tob e kind.“ Und sie ist eine der stärsten und freundlichsten Frauen, die ich bisher kennen lernen durfte.

Warum hast Du das Netzwerk auf einer GmbH und nicht auf einem Verein aufgebaut?

Ganz einfach. Weil ich sehr gerne, die Meinung der Mitglieder miteinbeziehe, aber aus Erfahrung leider auch gelernt habe, dass dir eine Idee, für die du brennst, ganz schnell weggenommen und völlig anders ausgelegt werden kann, wenn du sie in zu viele Hände gibst.

Ich will hier ganz sicher keine Werbung machen, aber ein Produzent von Babynahrung sagt in seinen Werbespots: „Dafür stehe ich mit meinem Namen“ und das ist genau das, was ich auch für die Culinary Ladys sagen kann. Ich stehe dafür mit meiner beruflichen und persönlichen Erfahrung, mit meiner Leidenschaft, meiner Fähigkeit andere zu begeistern und meinem Willen, der auch immer mal wieder auf die Probe gestellt wird. Es wird mal schneller und effektiver und mal langsamer gehen mit uns. Und es wird vielleicht auch mal etwas geben, das der einen oder anderen Lady nicht gefällt. Ich hoffe, dass wir dann gemeinsam Lösungen finden, von denen wir alle profitieren. Denn eines habe ich wirklich gelernt: Miteinander reden hilft sehr, sehr oft. Und dafür sind wir doch auch ein Netzwerk, oder?

Was ist Dein Ziel mit den Culinary Ladies?

Wir müssen – gesund und mit den richtigen Menschen – wachsen. Denn nur dann sind wir auch eine Stimme, die gehört und ernst genommen wird – damit andere sehen, hören und erleben, dass wir viele sind. Und damit wir vielen engagierten Frauen dann auch das eine oder andere Thema sehr ernsthaft angehen können. Und damit wir Vorbild sind für andere, Ihnen Mut machen.

Ich bin aber auch ganz ehrlich: Wir müssen auch ernst zu nehmen sein, damit wir Sponsoren finden, die uns unterstützen. Denn nur dann habe ich und haben wir die Möglichkeit mehr zu bewirken, weil wir mehr Zeit in dieses Netzwerk investieren können.