Love Sarah ab 10. September 2020 im Kino

„Love Sarah“ – einfach mal wieder wohlfühlen im Kino

Die Einladung zur Pressevorführung zu diesem Film erfolgt Ende Februar 2020 – der Film sollte etwa im Mai in die Kinos kommen. Tja, wir alle wissen, warum der Filmstart verschoben wurde. Aber seit 10. September ist es endlich so weit. Und ich kann “Love Sarah” allen empfehlen, die ein bisschen Wohlfühlkino mit kulinarischen Hintergrund erleben wollen.

Warum ich ihn hier auf den Culinary Ladies vorstelle? Weil es um die Gründung einer Konditorei durch drei Frauen geht – und es das Spielfilmdebüt einer deutschen (in London lebenden) Regisseurin ist – irgendwie also auch eine Culinary Lady. Im Gespräch mit Eliza Schroeder über die Idee zum Film, warum nicht immer alles dokumentarisch genau sein muss.

Ich fand Ihren Film wirklich bezaubernd und bin richtig gut gelaunt rausgegangen. Wie sind Sie denn auf die Idee dazu gekommen?

ES: Ich hatte schon sehr lange den Wunsch, Geschichten vorwiegend über Frauen zu erzählen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich aus einer großen Familie komme (ich habe fünf Geschwister) mit vielen starken Frauen komme. Ich habe also unheimlich viel Inspiration in den Frauen in meiner eigenen Familie gefunden, ob das meine Mutter war oder meine Tante oder meine Großmutter. Ich habe erlebt, was solche Frauen erreichen können, wenn sie mit ihren verschiedenen Stärken und Qualitäten zusammenkommen und etwas auf die Beine stellen.

So wie auch die Frauen im Film. Wobei die Geschichte, ja (Achtung kleiner

 Spoiler) mit einem sehr berührenden Todesfall beginnt.

 ES: Richtig. Dazu muss ich sagen, dass meine Mutter, gerade in der Zeit, in der wir mit der Entwicklung des Films begonnen haben, verstorben ist. Dadurch wurde dieser ganze Umgang mit dem Tod und mit dem Verlust von Menschen für mich sehr wichtig . Das ist in den Film stark mit eingeflossen, Denn ich wollte zeigen, dass man unbedingt Trauer zulassen sollte. Auf der anderen Seite gelingt es uns hoffentlich zu demonstrieren, dass ein Verlust auch etwas bewirken kann, das positive Energien freisetzen kann und so und in im Fall „Love Sarah“ zu einer ganz neuen Gemeinschaft von Frauen aus verschiedenen Generationen führt.

Und wie kamen Sie dann auf das Thema Backen und eigenes Café?

Eliza Schroeder lacht: Ich liebe Kuchen! Das muss es einfach wirklich zugeben. Ich liebe alles, was süß ist. Ich lebe hier in London in Notting Hill. Da gibt es direkt um die Ecke einen von diesen schrecklich guten Ottolenghi Läden. Mein Mann befürchtet, dass das nochmal unser Ruin sein wird, weil ich so oft dort einkaufe. Aber dafür bin ich inzwischen mit den Leuten dort so eng befreundet, dass ich auch einiges mal umsonst bekomme. Und für den Film hat Ottolenghi auch die Rezepte gemacht – so hat sich meine „Sucht“ doch schon rentiert. Natürlich hat mich die visuelle Präsentation, gerade auch von Ottolenghti unheimlich inspiriert. Also dachte ich mir: Was kann es Schöneres geben, als einen Film über Kuchen und Backen zu machen?

Na gut, bei dieser Vorgeschichte „verzeihe“ ich Ihnen dann auch, dass Sie nicht eine Bäckerin für die Rezepte genommen haben.

Aber erzählen Sie mir doch mal, wie Sie sich auf den Film vorbereitet haben. Sind sie auch in die Backstube gegangen, um die Abläufe zu sehen?

ES  Genau. Aber ich habe auch ganz viele Backbücher und immer, wenn ich dann mal Zeit habe, backe ich einfach alle schönen Leckereien wie Brownies oder ein Cheesecake. Und ich probiere vieles selbst aus – mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg.

Mir ist natürlich klar, dass „Love Sarah“ keine Dokumentation ist, sondern eine erfundene Geschichte, aber ist mir einfach aufgefallen: Die Auslagen in der Bäckerei sind ja immer sehr offen. Das habe ich jetzt auch schon in ein paar Filmen gesehen. Ist das in England tatsächlich so? Denn in Deutschland gibt es ja – mal ganz von Corona abgesehen – immer die Pflicht einen Spuckschutz vor den Auslagen zu haben, die verkauft werden.

ES: Da haben sie recht. Die ehrliche Antwort ist: Das ist hier so. Das wird hier auch so ausgestellt und verkauft. Und die Leute halten einfach eine gewisse respektvolle Distanz zu den Produkten. Aber das hat sich durch Corona jetzt auch verändert.

Also lieber zurück zu Ihrem Film: “Love Sarah” ist Ihr erster Spielfilm?

ES: Genau. Direkt nach dem Studium hier in London habe ich mit einer Freundin zusammen eine Produktionsfirma gegründet. Wir haben einige Kurzfilme produziert. Dann habe ich „zwischendurch“ meine Kinder bekommen. Aber im Hintergrund hatte ich immer an diesem Stoff gearbeitet. Nur habe ich ihn auch immer wieder zur Seite gelegt.

Warum haben Sie gezögert, die Idee umzusetzen?

Weil ich wusste: der ist noch zu groß für mich, das schaffe ich noch nicht. Aber irgendwann war dann die Zeit reif. Ich war mir sicher, dass ich jetzt genug Erfahrung gesammelt hatte. Also habe die besonders nette Produzentin Rajita Shah angesprochen, ihr das Drehbuch gegeben und gefragt, was sie dazu meint. Ihr Kommentar: “Ja das ist schön, aber viel zu dunkel, das braucht ein bisschen Upflifting”. Mit unserem Drehbuchautor Jake Brunger haben wir dann wirklich eine schöne Kooperation hinbekommen – die hoffentlich auch beim Publikum ankommt.

Denn „Love Sarah“ ist wirklich ein echtes Herzensprojekt von mir. Auch weil viele der Charaktere von Menschen inspiriert sind, die mir nahe stehen oder mich berührt haben.

Das merkt man auch – damit läuft „Love Sarah“ in meinen Augen auch nicht die Gefahr zur Schnulze zu werden. Der Konflikt von Sarah mit Ihrer Mutter, die unterschiedlichen Lebensauffassungen der drei Generationen von Frauen, das kommt doch immer durch. Es ist eben nicht alles Zucker, ein bisschen Bitter und ein bisschen Sauer gehört doch auch zum perfekten Rezept.

ES: Das finde ich schön, dass Sie das sagen. Ich wollte auch nicht so was Schleimiges machen, sondern unbedingt die Balance zwischen Drama und Comedy halten. Ich bin glücklich, wenn  die Zuschauer berührt sind, aber gleichzeitig eben auch mal lachen können. Das war in diesem Fall schon eine Herausforderung: Den vielen Charakteren auch gerecht zum werden und ihre Geschichten auch zu Ende zu erzählen. Aber wie gesagt, wenn wir berühren und Freude machen, dann haben wir erreicht, was mir am wichtigsten ist.

Das finden ich wunderbar gelungen.

ABER:  als Netzwerkerin von Frauen in der Kulinarik muss ich nun doch noch eine Frage stellen: Warum muss jetzt ein Mann retten? (kein Spoiler, mehr verrate ich hier sicher nicht)

ES: Naja, eigentlich rettet er ja nicht sondern er motiviert Isabella (Bella) dazu, sich wieder selbst zu vertrauen.  Das war beim Dreh ganz lustig. Rupert Penry-Jones, der Schauspieler, hat immer gesagt, er würde gerne noch so viel mehr machen, aber ich habe ihm klar gemacht. “Du bist ganz wortwörtlich einen „supporting role“ und damit ist Deine Rolle zwar nicht so groß aber, unheimlich wichtig.” Und ich finde, er hat es auch so gespielt.

Ehrlich gesagt finde ich das einen ganz wichtigen Aspekt. Denn ich stelle immer wieder fest: Was uns Frauen am meisten fehlt, ist der Mut auch auch mal zu sagen „ich kann das“ und witziger weise sind es eher mal Männer die einen mal motivieren als andere Frauen. Leider. Und für alle Männer, die mit in diesen Film gehen, ist es doch ein wunderbares Beispiel für: „Seht ihr mal, so kann man Frauen auch ermuntern.“

Also: nicht lange überlegen, die Filmemacherin und Euer lokales Kino unterstützen – zurücklehnen und wohlfühlen!

Vorgeschmack gibt’s hier:

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