Culinary Ambassador – Beate E. Wimmer – immer on tour

Beate E. Wimmer

Raus aus der kulinarischen Diaspora Minden, rein ins Leben und mit in-via-gustum | Wege zum Genuss auf Reisen – Beate E. Wimmer macht sich als Culinary Ambassador voller Neugierde auf zu Manufakturen, Weingütern und Restaurants. Sie erlebt on tour und teilt deren Leidenschaft, verinnerlicht sie und trägt sie hinaus in die Welt. Dabei ist sie immer mit dem eigenen Wohnmobil “on tour”, dem Genuss entgegen.

Mit dem Wohnmobil unterwegs zu den schönsten Genussorten, den besten Handwerkern – bringt eine ganz besondere Nähe zum Produkt mit sich :.)

Als Genussbotschafterin bist Du ganz schön viel unterwegs. Was treibt Dich an?

Ich fühle mich schon immer den schönen Dingen des Lebens zugetan. Wobei das keinesfalls nur mit der Optik zu tun hat. Denn ich suche ganz bewusst den Blick hinter die Kulissen, quasi behind the scenes. Wenn mich jemand mit seinem Tun und Handeln überzeugen konnte und mir im Gedächtnis im Sinne von wertvoll bleibt, dann bin ich dabei, dann bin ich begeistert.

Dein Weg in die genussvolle Welt des Weins begann mit dem Import von chilenischem Wein, richtig? Du bist also offensichtlich schon immer gerne gereist?

Der Anfang war tatsächlich nicht chilenischer Wein sondern ganz “banal” italienischer. Ich habe, zu Zeiten als Bonn noch Regierungssitz war, ein wissenschaftliches Institut dort geleitet, das sich mit dem Konsumverhalten der Menschen in der Freizeit beschäftigte. Meinem Mann zuliebe habe ich diese Tätigkeit aufgegeben und bin nach Minden gezogen. Und da wurde es mir leider ganz schrecklich langweilig.

Und wie hast Du in Minden italienischen Wein gefunden?

Natürlich nicht in Minden. Wir hatten ein Schiff in der Adria liegen, in Lignano. Es muss in einem unserer ersten Urlaube gewesen sein, 1993.  In einem Shop in Lignano haben wir den Prosecco von Ruggeri entdeckt. Das war Liebe auf den ersten Schluck – und ist es übrigens immer noch. Wir nahmen einige Flaschen mit nach Hause und begeisterten dort unsere Freunde für den feinen Rebsaft. Bei unserer nächsten Reise habe ich dann den Kofferraum vollgeladen und zu meinem Mann gesagt: “Das muss sich doch verkaufen lassen!” Der Beginn meiner Weinimporte: zuerst ganz klein, in einem Radius von 100 km rund um den Kirchturm. Dazu kamen Weine von BORTOLOMIOL sowie Grappa von ASTORIA, klein und fein, ein überschaubares Sortiment.

Irgendwann spielte dann Chile eine große Rolle. Wie kam es dazu?

Während einer beruflichen Reise meines Mannes nach Chile, zu der ich ihn begleiten konnte, traf er einen langjährigen Freund aus Deutschland wieder. Der Freund hatte gerade eine Destilliere gekauft und war auf der Suche nach Absatzmärkten in Europa. Mein Mann meinte: “Prima, Beate macht in Sachen Wein! Spirituosen und Wein passt doch zusammen!” Na klar!

Ein paar Wochen später hat mein Mann alleine eine Weinmesse in Santiago de Chile besucht und war dort so begeistert von Wein und Winzern, dass er gleich einen ganzen Container Wein geordert hat! Ich war bis dahin ja immer froh, wenn ich mal eine Palette mit 600 Flaschen Wein verkauft hatte, und jetzt kamen plötzlich 14.000 Flaschen, ein 40 Fuß-Container… (sie lacht). Aber das war die Initialzündung, wir sind durchgestartet. Von diesem Zeitpunkt an haben wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz sechs Container pro Jahr an den Fachhandel und die Gastronomie verkauft.

Nicht schlecht. Aber Du hattest Dich mit dem Thema Wein noch gar nicht wirklich befasst. Also war’s tatsächlich ein Sprung ins kalte Wasser, oder?

Das kann man wohl sagen. Natürlich war meine Neugierde geweckt, ich wollte unbedingt mehr erfahren. Auf Reisen haben wir gemeinsam immer unsere Weingüter persönlich besucht und vor Ort auch selbst „unsere“ Fässer verprobt. Im Jahr 2003 habe ich mich dann entschlossen tiefer in die Flasche zu schauen und eine Ausbildung bei Astrid Löwenberg begonnen. Sie war leitete damals die Niederlassung der Deutschen Wein- und Sommelier-Schule in München – und bin grandios gescheitert. Die anderen Teilnehmer kannten weltweit zahlreiche Winzer und Weine, was mir bis dato fehlte.

Aufgeben kam aber offensichtlich nicht in Frage!

Astrid hat es geschafft, mich mit dem Thema Wein so zu infizieren, dass ich mein Wissen unbedingt vertiefen wollte. Also ging ich an die Fachhochschule nach Geisenheim. Plötzlich wieder die Schulbank zu drücken war für mich allerdings zu Beginn eine echte Herausforderung. Ich bin ja auch eher der rebellische Typ (lacht) und hab’ mich zunächst nicht sehr wohlgefühlt. Da mich aber der Ehrgeiz gepackt hatte, habe ich dann doch erfolgreich das WSET-Zertifikat Level 3 gemacht und dann auch das WSET-Diploma begonnen. Und plötzlich wusste ich, worum es ging.

Angefangen hast Du mit dem Handel. Dann kamen aber auch schon bald Veranstaltungen dazu? Wie kam es dazu?

Das liegt nahe, wenn man mit vielen Winzern und deren Weine zu tun hat. 2003 habe ich die Wein- und Genussmesse VINALIA in Bad Oeynhausen ins Leben gerufen. Von dort aus ging es dann 2005 weiter über Schloss Bückeburg nach Hannover. Das war eine wunderbare Zeit mit rund 80 Aussteller und rund 3000 Besucher an zwei Tagen. Wir waren mit der VINALIA quasi die Einstiegsdroge für Hannover und Umgebung in Sachen Genuss. 2015 habe ich dann mein Engagement in Niedersachsens Hauptstadt beendet, weil auch in Hannover ein großer Verdrängungswettbewerb stattfand. Plötzlich fanden dort 5 Weinmessen statt. Sowas geht immer nur zu Lasten der Betriebe und der Besucher. Und da ich nie Masse machen wollte, hat mir das schlicht keinen Spaß mehr gemacht. Die Betriebe fingen an zu feilschen, da sie von anderen Messeveranstaltern satte Rabatte zugesprochen bekamen. Meine Aussteller haben mich zwar immer wieder gedrängt weiterzumachen. Dazu kam dann aber noch eine große familiäre Herausforderung, so dass mir die Entscheidung abgenommen wurde.

Kannst Du Dich an einen Schlüsselmoment erinnern, außer dem Prosecco, mit dem Dein Zugang zum Wein geschaffen wurde, Dein Wein-Moment sozusagen?

Mein ganz großer Wein-Moment war, als ich einfach nicht verstehen konnte, was oxidativen von reduktivem Weinausbau unterscheidet. Heute ist mir das kaum noch vorstellbar, aber ich habe mich wirklich schwergetan, das theoretisch zu begreifen. Das konnte ich nicht so stehen lassen. Mein Ehrgeiz war geweckt und ich wollte mehr lernen, mehr verstehen.

Es gab aber noch ein weiteres Schlüsselerlebnis, das mich zum Thema Foodpairing, also der Kombination von Essen und Trinken gebracht hat. 2012 hatten mein Mann und ich eine Reise mit dem Wohnmobil über Ostern nach Norddeutschland geplant. Da das Wohnmobil ziemlich groß war, konnte ich dort auch kochen. Ich plante bereits im Vorfeld, was es am Ostersonntag geben sollte. Unter anderem wollte ich ein ganz puristisches Lamm zubereiten, ohne viel Schnickschnack. Dazu musste ich noch den passenden Wein finden.  Ich stieg also mit dem Gericht im Kopf in meinen Weinkeller und fand einen im Holz ausgebauten Grauburgunder von der Nahe. Ich war überzeugt, dass dieser ganz hervorragend passt. Eher zufällig habe ich auch noch einen fast schon vergessenen 2000er Traminer mitgenommen, von dem irgendwo in einer Ecke eine verwaiste Kiste stand. Dann bin ich Ostersonntag ganz enthusiastisch ans Werk gegangen und wir haben den Grauburgunder geöffnet – der absolut nicht gepasst hat. Der Traminer dagegen war eine Offenbarung und perfekt.

Was hast Du daraus gelernt?

Mir ist klar geworden, dass aus meinen beiden Leidenschaften Essen & Trinken eine Passion entstanden ist. Mit Mut zum Ausprobieren konnte daraus Großes werden. Und mutig bin ich. Im Kopf mache ich mir bis heute leidenschaftlich klar, was ich zu welchem Essen trinken kann. Heute begleite ich viele Menüs und stelle die passenden Weine zu den einzelnen Gerichten zusammen.

Ich selbst als Gast in einem Restaurant bin immer auf der Suche nach Nischen. Ich bestelle nie im Weine a la carte, wenn dort ein kreativer Koch und ein guter Sommelier ihr Handwerk verstehen. Ich lasse mich gerne überraschen und bin für Neues sehr offen. Sonst brauche ich ja nicht zu solchen Profis hingehen.

Du hast mal gesagt: „In meinem nächsten Leben werde ich Köchin – und dann Winzerin“. Was mich aber besonders beeindruckt, Du erfüllst Dir Deine Wünsche schon im jetzigen Leben.

Ja. Ich habe mir tatsächlich bereits zwei Träume verwirklicht. Zwar habe ich nicht gleich zur Köchin umgeschult, aber nach dem Tod meines Mannes habe ich ein dreimonatiges Praktikum in einer Profiküche gemacht habe, in Rinteln im Restaurant Waldkater. Ein handwerklich arbeitender Betrieb, in dem ich die Basics gelernt habe, das war mir ganz wichtig. In dieser Zeit habe sehr viel Ehrfurcht und Demut vor dem Beruf des Kochs bekommen.

Beate Wimmer In Via gustum

Und der zweite Traum war und ist Dein Wohnmobil, mit dem Du genau da hinreist, wo Du Genussorte und -menschen findest …

Genau. Ich habe mir im April 2019 ein kleines Wohnmobil gekauft, das ich im August 2020 durch ein größeres ersetzt habe. Es ist alles drin: Schlafzimmer, Bad, Küche und Salon. Damit reise ich mit meinem Rauhaardackel MAXIMUS durch die Lande – als Culinary Ambassador.

Und was beinhaltet das, Deine Tätigkeit als Culinary Ambassador?

Pro Jahr moderiere ich etwa 30 Veranstaltungen, bin aber sehr gerne auch unabhängig und mache meine eigenen Projekte. Mein neuestes Projekt ist „in-via-gustum | Wege zum Genuss“. Ich besuche die kreativen Köpfe. Mich begeistert Handwerk, Herkunft, ressourcenschonendes und umweltgerechtes Arbeiten, verlustmindernde Prozesse (die sind ja gerade in der Gastronomie wichtig), Vermeidung von Verschwendung sowie produktspezifische Nachhaltigkeit. Das sind Themen, die mir wichtig sind. Neben Köchen, Restaurants und Produzenten spüre ich Manufakturen auf. Dazu gehören natürlich auch die Weingüter. Ich trage meine eigene Begeisterung, mein tiefes Wissen über die Menschen und deren Handwerk, in die Welt. Und mache davon sprichwörtlich Reden. Ich moderiere, ich schreibe, erstelle Videos und Podcasts, in denen all diese Themen sichtbar und hörbar werden. Ich kann erzählen, ich kann überzeugen – ich weiß auch, dass meine Leser und Zuhörer sich auf mich verlassen. Wenn ich – B.E.W – etwas empfehle, dann mache ich das nicht, weil ich Geld dafür bekomme, sondern aus Überzeugung. Und das ist eine große Verpflichtung und eine hohe Verantwortung dem Konsumenten gegenüber.

Die Corona-Krise 2020 hat Dich natürlich auch getroffen. Aber wir haben ja schon gelernt “Aufgeben gilt nicht für Dich”. Du hast in dieser Zeit auch über viele gastronomische Helden berichtet. Aber, Du hast Dir auch schon etwas Neues ausgedacht …

Genau: Ab Frühjahr 2021 werde ich geführte Genussreisen für Wohnmobilisten in Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland durchführen. Darauf freue ich mich schon jetzt. Aufgrund der aktuellen Lage und Entwicklung liegt es auf der Hand, dass ich zunächst in Deutschland starte, wobei wir in den anderen Ländern bereits in den Startlöchern stehen. Die Konzepte stehen und warten nur darauf, dass die Gefahr des Virus eingedämmt bzw. einschätzbarer wird.

Wir müssen noch ein anderes Thema ansprechen, denn schließlich sind wir hier bei den Culinary Ladies. Du arbeitest mit vielen Spitzenköchen und Entscheidern der Branche zusammen, Ralf Bos, Herbert Brockel, Thomas Bühner, alles Männer …

Tatsächlich, jetzt wo Du es ansprichst. Ich finde es erstaunlich, dass die Männer in unserer Branche immer noch so deutlich in der Überzahl sind. Ich habe mich mal mit der (männlichen) Bloggerszene angelegt, meine Meinung gesagt, und dann wurde mir ganz klar gesagt, dass ich das Bereuen werde, denn sie würden einen Ballon gegen mich aufblasen.  Und das haben sie tatsächlich mit wenig Skrupel gemacht. Ich werde zu keinen Verkostungen eingeladen, habe Juryposten verloren, die Männer in unserer Branche können extrem unfair sein. Die größte Enttäuschung war aber, dass sich Frauen da nicht distanzieren konnten. Sie haben den Männern öffentlich applaudiert. Mir scheint, dass sie oftmals nicht den Mut haben, ihre „Frau“ zu stehen.

Das stimmt zwar zum Teil, aber doch nicht ganz – sonst gäbe es ja uns nicht. Und die vielen Frauen, die durchaus tolle Vorbilder sind. Nur die sind meistens nicht so “laut” (im positiven Sinn von laut gemeint) Was glaubst Du aber, woran es liegen könnte, dass Frauen immer eher in der zweiten als in der ersten Reihe stehen?

Da habe ich mehrere Antworten parat. Eine Antwort, die ich bis vor drei Jahren überzeugterweise immer gegeben habe: „Das ist historisch gewachsen“. Die Frau hat eine klare Rolle in der Gesellschaft eingenommen oder zugesprochen bekommen, da muss sie sich selbst rausboxen.

Heute stimmt das nur noch zum Teil. Nach wie vor glaube ich, dass die Frau, wie man so schön sagt, ihren „Mann stehen“ muss. Aber was ich in den letzten Jahren festgestellt habe ist, dass Männer immer noch mit sehr harten Bandagen kämpfen, mitunter auch ungerecht. Und darin können sie dann sehr kreativ sein. Männer können zudem untereinander unglaublich gut sachlich Netzwerken. Dazu sind wir Frauen scheinbar zu emotional. Und ganz beeindruckend: Männer können sich die Köpfe einschlagen, sich umdrehen und ein Bier miteinander trinken. Sie können vergessen und sehr gut abwägen, was ihnen nutzt und was nicht. Ich glaube, das ist ihr ganz großer Vorteil. Das sehe ich übrigens sehr positiv. Wir Frauen denken links und rechts und mit viel Bauchgefühl, Männer denken zielorientiert.

So Beate, zum Schluss aber nochmal zurück zum Anfang. Du bist zwar dauernd unterwegs, aber dein Heimathafen ist ja doch Minden, von dem Du selbst sagst: Es ist ein wenig kulinarische Diaspora? Was wirst Du dagegen unternehmen?

(sie lacht) Tja, hm… das ist wirklich eine gute Frage. Wenn Du mich fragst, wo wir in Minden und Umgebung gut essen gehen, fällt mir leider nicht viel ein. Da gibt es eine Menge zu tun. Möglicherweise kann ich ja mit meinen Apellen dazu beitragen. Aber ändern kann ich den gemeinen Ostwestfalen dann doch nicht.

Ich habe aus meinem Hobby eine Profession gemacht. Und die möchte ich noch lange in die Welt hinaustragen. Ich möchte noch viele Menschen treffen, mit ihnen verkosten, mit ihnen lachen und genießen. Und über sie berichten – einfach aus Liebe zum Produkt!

Das ist doch ein schönes Schlusswort, Beate. Vielen Dank für diese persönlichen Einblicke!

 

Alle aktuellen News zu den Aktion von Beate E. Wimmer gibt es natürlich auf ihrer Website