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"Nenn Dich selbst Sultan!" zurück

01. März 2020

Asma Khan zu beschreiben, erfordert mehr als nur ein paar Sätze. Wer aber mehr über diese charismatische Frau wissen möchte, die ich die Ehre und das Vergnügen hatte, am St. Moritz Gourmet Festival im Hotel Kulm kennen lernen durfte, kann sich auch ihre Netflix-Folge von Chef's Table ansehen (Link am Ende dieses Artikels). In meinem Interview mit ihr habe ich mich auf Frauenthemen konzentriert (alles über ihr Essen findet Ihr in ihrem Kochbuch, das im Herbst 2020 auch auf dem deutschen Markt erscheinen wird).

Bevor wir uns trafen, wusste ich bereits, dass sie sich sehr für das Gender-Thema interessiert, da sie selbst eine "zweite Tochter" in ihrer indischen Familie ist. Aber während unseres Gesprächs war ich einfach fasziniert von ihrer tiefen Verbundenheit mit Frauen. Sie setzt sich nicht nur für die Rechte von Frauen aus Indien ein (worauf sie leider von einigen Journalisten reduziert wurde), sondern für Frauen jeder Herkunft, Religion und Hautfarbe. Sie spricht darüber nicht mit leeren und kämpferischen Parolen, sondern mit einem hohen Maß an Einfühlungsvermögen, intelligenter sozialer Beobachtung und vor allem "Kindnee" (das ist im Deutschen irgendwie weder mit „Freundlichkeit“ noch mit „Liebenswürdigkeit“ richtig übersetzt wird. Ihre Beobachtungen und Ideen beziehen sich nicht nur auf Situationen aus Ländern, die wir in der westlichen Welt gerne mit "aber bei uns ist es ganz anders" abtun, sondern auf Situationen, die viele von uns aus ihrer eigenen Karriere und ihrem Leben kennen. Und so erklärt sie auch, warum sich jede Frau "Sultan" nennen sollte. Darüber habe ich mit ihr gesprochen, und über ihre Gedanken zu Frauen, die Frauen unterstützen (oder eben nicht). Darüber, wie wir Einwanderer behandeln sollten, und darüber, warum sie selbst den gleichen Lohn wie ihre Angestellten erhält. Lest dieses Interview, es hat mir sehr vieles vor Augen geführt und mich tief berührt und damit auch motiviert.

Nur um Sie ins Bild zu bringen, ein paar Fakten über Asma Khan (mit ein wenig Hilfe von Wikipedia):

Die in Indien (Kalkutta) geborene Asma Khan ist heute Köchin, Multi-Restaurant-Besitzerin (Darjeeling Express in London), Kochbuchautorin und freundliche Kämpferin für Frauenrechte. Im Juni 2019 wurde sie vom Online-Magazin "Business Insider" zur Nummer 1 auf der Liste der "100 Coolsten Menschen in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie" gewählt. Warum die "zweite Tochter" hervorheben? Weil in Indien die zweite Tochter zu sein - in weiten Teilen der Gesellschaft, in der männliche Kinder viel mehr geschätzt werden - eine "Enttäuschung" für die Eltern ist - eine Tatsache, die Asma Khan mit großem Engagement verändern will.

1991 zog Asma Khan mit ihrem Mann nach Cambridge und 1996 nach London, wo sie am King's College Jura studierte und 2012 mit einem Doktorat in britischem Verfassungsrecht abschloss. 2012 bot sie in ihrem Haus eine Reihe von privaten Dinner-Clubs an. Vivek Singh, der bekannte Küchenchef und Gastronom, besuchte einen davon und lud sie ein, ein Pop-up in seinem Restaurant The Cinnamon Club zu veranstalten. Da sie von Anfang an mit Frauen, zumeist Migrantinnen, die zum ersten Mal in einer professionellen Küche arbeiteten, hatte sie zunächst zu kämpfen - bis die Rezension eines bekannten Restaurantkritikers des „London Evening Standard“ große öffentliche Aufmerksamkeit und schließlich Kunden auf sich zog.

Um die Geschichte kurz zu machen: 2016 eröffnete sie ihr Restaurant Darjeeling Express, das indische Hausmannskost-Spezialitäten anbietet. Das Team von Asma Khans besteht und bestand aus asiatischen Immigrantinnen, die alle nie professionell ausgebildet wurden; sie arbeiteten anfangs an ihren freien Tagen für Khan, konnten aber an ihren anderen Arbeitsplätzen die Arbeitszeiten reduzieren und sie schließlich ganz aufgeben. Die meisten der rein weiblichen Küchenangestellten im Restaurant sind zweite Töchter. Alle sind Südasiaten.

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Das Interview

Asma, war es ein Zufall oder Ihre klare Absicht, nur mit Frauen zu arbeiten?

Asma: Vor allem auch mit Frauen mit Migrationshintergrund!

Richtig, das kam noch dazu. Und ich wette, viele Leute denken jetzt: "Oh, das ist toll! "Aber ich stelle mir vor, dass das auch nicht immer ganz leicht war.

Nein, das war es wirklich nicht.

Was waren die größten Schwierigkeiten?

Die bestanden darin, den Menschen zu zeigen, dass so etwas tatsächlich funktionieren kann. Es gab ja kein Vorbild, kein erfolgreiches Beispiel. Als ich 2017 mit diesem Projekt begann, gab es niemanden wie mich. Und leider können sich die wenigsten Menschen etwas vorstellen, was sie (noch) nicht sehen können. Auch nicht diejenigen, die mit mir arbeiten sollten. Diesen Menschen muss man erst einmal „beibringen“, an sich selbst zu glauben, indem man ihnen zeigt, was sie erreichen können.

Wenn heute, nur wenige Jahre später, eine Frau, egal welcher Hautfarbe, Herkunft oder Nationalität, ein Unternehmen gründen möchte und sagt: „Ich möchte Hausfrauen haben und ein Restaurant mit Frauen in den Fünfzigern gründen, dann gibt es unsere Geschichte hier als Beispiel: Sehen Sie, die hat es mit nur mit Frauen probiert, mit Frauen aus verschiedenen sozialen und ethnischen Hintergründen - und es ist erfolgreich!" Das war also wirklich das Schwierigste: an eine Geschichte zu glauben, an einen Traum, den noch nie jemand gesehen hatte, der sich erfüllt hat.

Eigentlich glaube ich, dass dies ganz allgemein eines der größten Problem für viele Frauen ist – auch und vor allem in Führungspositionen oder bei der Planung eines Unternehmens. Es gibt einfach nicht genug Vorbilder.

Das stimmt. Diese Vorbilder sind tatsächlich sehr wichtig für uns. Aber es gibt noch einen anderen Aspekt: Es ist so wichtig dass Frauen, die es geschafft haben, auch andere Frauen unterstützen, es zu schaffen. Wissen Sie, ich will die gläserne Decke nicht durchbrechen, ich will das ganze Gebäude zum Einsturz bringen - und es mit Frauen füllen. (sie lacht strahlend)

Ich will nicht die Nummer ein oder die Einzige sein, der etwas gelingt. Und leider ist das sehr oft das Problem mit Frauen: Toll, sie ist die Geschäftsführerin irgendeines Unternehmens, als einzige Frau. Aber mit wie viele Frauen arbeitet sie? Spricht sie über Frauenfragen? Spricht sie über Emanzipation? Viele von ihnen tun es nicht. Sind sie an der Spitze, sprechen Sie nur noch über ihr Unternehmen und über ihre Position. Sie vergessen, wer sie sind. Und das ist sehr schädlich für uns.

Um genau das nicht zu tun, habe ich mein Restaurant so konzipiert, wie es bis heute ist.. Und deshalb bin ich sehr glücklich, dass Sie um ein Interview mit mir gebeten haben. Ich habe gesehen, was Sie tun und dachte: "Großartig!" Denn wenn ich mit Ihnen spreche, spreche ich mit den Frauen. Denn Sie und ich kämpfen den gleichen Kampf. Unser Hintergrund ist unwichtig. Sie trauen sich über Hürden, genau wie ich.

Das freut mich natürlich sehr, dass Sie das so sehen. Und ja, ich glaube, es gibt wirklich ein Problem von Frauen in Positionen, in denen sie etwas für andere Frauen tun könnten. Ja, es gibt immer noch Probleme mit Männern, in Ihrem Heimatland noch mehr als hier. Aber ich denke, diese Probleme müssen zwar definitiv gelöst und verändert werden, aber ich möchte sie nicht ständig zum Thema machen, weil sie immer die Frauen als Opfer zeigen. Stattdessen sollten wir die Frauen feiern, die es schaffen.

Ja, das sollten wir. Aber diese Frauen haben die Pflicht, andere Frauen zu unterstützen. Sie müssen über sie sprechen. Und eine erfolgreiche Frau muss auch darüber reden, wie schwer ihr Weg war. Sie muss auch davon erzählen, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte und vor allem wie sie diese überwunden hat.

Frauen fangen erst seit wenigen Jahren, sich zu ernsthaft vernetzen. Ist dies ein Schritt in die richtige Richtung?

In gewisser Weise schon. Sehen Sie, Männer vernetzen sich abends in Bars oder am Wochenende beim Golfspielen oder bei einer anderen Sportart. Für eine Frau sind Acht Uhr-Drinks nach der Arbeit sehr oft keine Option. Die meisten von uns sind dann schon todmüde. Weil wir alle noch weitere Aufgaben haben - die Männer nicht. Ob wir uns um unsere älter gewordenen Eltern oder um die Kinder kümmern müssen oder auch das Familienhaustier versorgen; all das ist in unserer Gesellschaft immer noch unsere Aufgabe. Deshalb können sich die meisten von uns nicht einfach mal nach der Arbeit treffen. Deshalb müssen wir Raum für die Frauen schaffen. Und deshalb finde ich das, was Sie tun, unglaublich, denn es bildet eine virtuelle Plattform.

(In unserem Gespräch  ist mir dieses Lob zunächst peinlich, denn wir stehen ja noch am Anfang. Aber vielleicht sollte ich auch einfach stolz sagen: „Ja, und wir werden noch wachsen und stärker werden!"). Nochmals vielen Dank. Ich finde tatsächlich auch den Gedanken, dass Frauen Frauen unterstützen so wichtig. Daher ist er mir auch so wichtig, dass "meine“ Ladies automatisch an andere Frauen denken, wenn sie beispielsweise eine eigene Veranstaltung planen. Ich möchte nicht die einzige sein, die Veranstaltungen entwickelt und organisiert. Aber ich denke, es braucht Zeit, um diesen Geist auf uns alle zu übertragen.

Aber es ist so wahr: Frauen sollten Frauen unterstützen, denn wenn sie es nicht tun, wer tut es dann?

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Und was ist mit der Zusammenarbeit mit Männern?

Der Punkt ist: nicht mit Männern kämpfen! Natürlich sollte eine Frau, wenn sie für genau dieselbe Position wie einer ihrer männlichen Kollegen weniger bezahlt wird, dasselbe Gehalt fordern und dieses Problem auch öffentlich machen. Schauen Sie sich an, was mit der BBC passiert ist, dafür wurde sie sogar verklagt. Und das ist richtig und gut. Denn wenn sowas in einem Unternehmen wie der BBC passiert, wissen Sie, dass es überall passiert - sogar hier in der westlichen Welt.

Wenn Sie sagen, wir sollten nicht mit den Männern kämpfen, meinen Sie, wir sollten für unsere Rechte kämpfen, aber nicht gegen die Männer?

Wir sollten Männer nicht als Feinde betrachten. Auf diese Weise schwächen Sie Ihre eigene Position. Sie schwächen Ihre Position, indem Sie einen Feind schaffen, den Sie hassen. Was wäre dann besser? Was Sie stattdessen tun sollten, ist, Liebe für sich selbst zu schaffen.

Vergessen Sie, was mit den Männern los ist. Es geht ihnen sehr gut - und ich bin sehr glücklich darüber. Ich mache mir keine Sorgen um sie. Ich sorge mich nur um die Frau, die sich quält. Die erfolgreich sein will. Ich mache mir Sorgen um ihre psychische Gesundheit, weil sie erschöpft ist, weil sie überall sein muss. Sie fühlt sich schuldig, weil sie arbeitet und sich um die Kinder kümmern muss und keine Unterstützung vom Partner bekommt.

Wir alle kennen diese Schuldgefühle. Wenn wir zu Hause sind, fühlen wir uns schuldig wegen der Arbeit, wenn wir bei der Arbeit sind, fühlen wir uns schuldig wegen zu Hause. Wir werden fast immer diejenige sein, die bei Familienangelegenheiten einspringt. Denn wir sind die, die sich kümmern, die „carer“. Das sind wir einfach, das liegt in unserer DNA. Und auch die Gesellschaft erwartet von uns, dass wir uns kümmern: Sie sind eine Frau, eine Mutter, eine Tochter? Sie kümmern sich! Und im Allgemeinen ist daran ja gar nichts auszusetzen.

Ich spreche oft mit deutlich jüngeren Frauen und sie sagen mir, dass dies nur in einem altmodischen Lebensmodell noch so gehandelt wird und dass ihre eigene Generation schon viel selbstbewusster ist und von ihren Partnern viel mehr familiäres Engagement verlangt. Aber leider beweisen die Statistiken etwas anderes. Sobald es darum geht, eine Familie zu gründen, fallen die meisten von ihnen in die traditionellen Rollen zurück - mit etwas mehr männlichem Engagement als in den älteren Generationen.

Und wie ich schon sagte, ist daran nichts auszusetzen. Aber denken Sie daran: Es ist wie ein Rennen. Schon beim Start sind uns zwei schwere Steine an die Füße gebunden, den Männern gar nichts. Und man sagt uns, dass wir ohnehin nicht gewinnen können. Aber trotzdem laufen wir das Rennen. Das passiert den Frauen überall. Wir laufen weiter. Und einige von uns kommen irgendwie auf die Zielgerade und gewinnen sogar. Der Rest wird es nie schaffen. Denn das Top-Management besteht überall aus Männern.

Deswegen sage ich ja: Wenn eine Frau es schafft ans Ziel zu kommen, sollte sie dabei helfen, einige Steine von den Füßen anderen zu binden. Das meine ich, wenn ich sage: Ich will nicht die gläserne Decke durchbrechen, ich will das ganze Gebäude abreißen. Dann gibt es niemanden, der höher oder niedriger ist, und wir alle sind Gewinner, und wir alle können unsere Träume verwirklichen.

Was ist also Ihr Traum?

Das IST mein Traum - und ich träume ihn jede Nacht: die Ketten der Frauen zu durchbrechen. Aber ich kann die Ketten niemals brechen, wenn die Frauen selbst ihre Ketten nicht sehen können. Das ist zum Beispiel der Fall in meiner Kultur.

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Apropos unterschiedliche Kulturen. Sie sind selbst eine Nicht-Weiße, Immigrantin und Muslimin und setzen sich auch für alle diese Themen ein.

Das ist mir auch ganz wichtig. Ich denke, unter uns Frauen müssen wir versuchen, farbige Frauen zu verstehen. Denn sie kämpfen zwei Schlachten. Als eine Frau und als eine farbige Frau.

Sie haben Recht. Und das ist etwas, das vor allem die Menschen in der nordwestlichen Welt wirklich verstehen müssen. Denn früher hatten wir nicht so viele Menschen anderer Hautfarbe in unseren Ländern (außer in den Niederlanden und in Großbritannien vielleicht aufgrund ihrer Geschichte), und die Probleme für, insbesondere weibliche, Einwanderer aus der Türkei zum Beispiel konnten (leider) leicht ignoriert werden. Aber heute ist das nicht mehr möglich.

Es ist unsere Pflicht, auch diese Frauen in unsere Gesellschaft - und in unser Wirtschaftssystem - zu integrieren. Angefangen damit, dass wir uns mit ihrer Kultur auseinandersetzen. Genau. Und dieses kulturelle Verständnis muss man sich erarbeiten.

Wissen Sie, manchmal sind die Leute überrascht, wenn ich ihnen sage: "Ich esse kein Schweinefleisch, weil ich Moslem bin." Sie sind sehr verwirrt, weil sie denken: "Oh, sie isst kein Schweinefleisch wegen ihrer Religion? Dann muss sie sehr traditionell sein. Aber warten Sie, sie ist modern, und erfolgreich! Wie ist das denn möglich?"

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie diese Reaktion erhalten?

Ich selbst war in einer relativ komfortablen (finanziellen) Situation, als ich nach Europa kam, so dass ich nicht mit diesen Vorurteilen UND finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Aber ich kenne immer noch das Gefühl, eine "Fremde" zu sein und deshalb nicht respektiert zu werden. Aber wissen Sie: Ich muss nicht alles von meiner Kultur loslassen, um mich anzupassen. Stattdessen muss ich auf Menschen treffen, die mich als Mensch, als Frau, als Person, umarmen. Ich brauche Menschlichkeit und Freundlichkeit. Gebt mir einfach eine faire Chance!

Ja, eine Frau mag einen Hijab tragen. Ja, sie mag nicht wissen, wie man manche Dinge macht, mag nicht sehr gut Deutsch oder Englisch oder Französisch sprechen. Aber sie versucht es doch. Also geben Sie dieser Person doch eine Chance und erniedrigen sie nicht, wenn sie sich bemüht. Ich habe in Indien angefangen, Englisch zu lernen, und es war schwierig. Heute spreche ich die Sprache fließend. Aber wenn Leute zu mir kommen, die gebrochen Englisch sprechen, schmilzt mein Herz, weil ich mich an mich selbst erinnere.

Das ist etwas, das ich so oft auf der Straße beobachte: Die Leute fragen - nach dem Weg oder einem Ratschlag in einem Geschäft - in gebrochenem Englisch, und anstatt einfach in normalen Sätzen zu antworten, antworten ihnen die Einheimischen in einer seltsam gebrochenen Sprache ohne jede Grammatik - oder gar nicht, wenn ihnen das Aussehen der Leute nicht gefällt.

Es ist schmerzhaft, Menschen so zu behandeln. Und es ist besonders schmerzhaft, wenn Frauen andere Frauen so behandeln. Ich denke, das Wichtigste ist immer „kindness“ (Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit). Frauen müssen freundlich zueinander sein. Vergessen Sie sexuelle Liebe oder Beziehungen zu Männern, das meine ich nicht. Ich möchte, dass sie freundlich zueinander sind. Denn jede Frau kämpft Kämpfe, die man nicht sehen kann. Man sieht ihr nicht an welche Schwierigkeiten sie bewältigen musste, oder was sie hinter sich lassen musste, das doch wertvoll für sie war.

Urteilen Sie nicht über sie - vor-urteilen Sie nicht über Frauen. Das ist sehr wichtig. Kein Schubladendenken. Woher wissen Sie über sie, über die Entscheidungen, die sie treffen musste, Bescheid? Sie wissen nichts. Das trifft übrigens nicht nur auf Immigrat*innen zu.

Und hier sind wir wieder bei den Frauen im Allgemeinen. Beurteilen Frauen andere Frauen zu kritisch?

Ich weiß es nicht, aber sie sollten es nicht tun. Ich wiederhole: Sie wissen nicht, was sich hinter einem Gesicht verbirgt. Vielleicht die Entscheidung, für ihre Karriere auf ein Kind zu verzichten. Und dann, jedes Mal, wenn sie ein Kind sieht, schlägt ihr Herz lauter. Sie wissen das nicht. Das ist das Problem: Wir wissen nicht, was eine Frau aufgeben musste. Man sollte einfach jede Person, jede Frau, mit Respekt behandeln. Das ist nicht so schwer. Denn Freundlichkeit ist keine Schwäche.

Aber ist es nicht genau das, was die Geschäftswelt denkt? Teamarbeit ja, das wird große geschrieben. Es wird viel über den Respekt vor Mitarbeitern geschrieben, ja. Aber Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit? Höflichkeit natürlich ja, aber macht man nicht mit Liebenswürdigkeit nicht zu weit auf als Chef*in?

Zu glauben, dass Freundlichkeit Schwäche sei, ist ein großer Fehler. Ganz im Gegenteil: Freundlichkeit ist Stärke. Zu jemandem freundlich zu sein, selbst wenn man dessen Position nicht ganz versteht, ist überhaupt nicht schwach. Wissen Sie, wenn ich jemanden treffe, der diese Attitüde: "Ich bin tough", "Ich bin aggressiv", "Ich bin kalt", "Ich bin ehrgeizig" zeigt, denke ich nur "Wenn es für Sie in Ordnung ist ... aber Sie sind nicht ich!"

Sie sind also nicht tough und ehrgeizig?

Die Sache ist die: Ich bin gütig, ich bin weich, ich bin empathisch, ich bin sanft - und ich bin ein Gewinnerin! Ich gewinne mit genau DIESEN Qualitäten.

Ich bin mir sicher, keiner, der mich kennenlernt, glaubt, dass ich sehr schwach bin. Und das, obwohl ich nur über Freundlichkeit spreche, obwohl ich in Flüchtlingslager gehe. Und obwohl ich zum Beispiel in der Küche meines eigenen Restaurants auch mal Töpfe abwasche. Und zwar, weil ich genau gleich bezahlt werde wie jede Person in meiner Küche.

Sie werden genauso bezahlt wie jede andere in Ihrer Küche?

Mein Stundensatz ist derselbe wie der der Person, die die Töpfe wäscht. Wenn diese Person gerade eine andere Arbeit machen muss, die Töpfe aber gewaschen werden müssen, dann mache ich das eben. Und noch keiner hat mir gesagt: "Die Firma gehört Ihnen, also lassen Sie das doch." Meine Mitarbeiter wissen, dass es stimmt, denn sie sehen meinen Gehaltsscheck.

Und so wird man einflussreich: Sie werden mächtig, indem Sie demütig werden. Sie werden mächtig, wenn Sie Ihrem Team Menschlichkeit zeigen. Versuchen Sie es und sie werden sehen, was mit Ihrem Team passiert. Sie werden zu Stammesangehörigen.

Ich bin heute da, wo ich bin, dank meiner Frauen. Sie würden ihr Leben für mich geben. Sie respektieren mich nicht, weil ich ihre Chefin bin. Sie sehen mich als jemanden, der sie selbst sein wollen. Denn das ist die Konsequenz: wenn sie wissen, dass wir gleich sind, dann verstehen sie auch, dass sie irgendwann wie ich werden können.

Das ist ein phantastisch berührender Gedanke!

Das ist ein sehr mächtiger Gedanke. Lassen Sie jede Frau, auch in ihrem eigenen Team, glauben, dass sie nicht nur Sie werden kann, sondern dass sie Sie sogar übertreffen kann. Hinterlassen Sie ein Vermächtnis. Wir müssen etwas hinterlassen. Kennen Sie das Bild, wenn Sie einen Stein ins Wasser werfen? Er bildet Kreise. Werfen Sie also Ihren Stein sehr hart, und die Kreise werden noch lange nach Ihrem Tod weitergehen. Sie hinterlassen die Saat des Erfolgs für die nächste Generation. Wir brauchen unsere Generation nicht zu reparieren. Wir müssen den Weg für die Anführerinnen der nächsten Generation ermöglichen. Damit all die Hürden, auf die wir gestoßen sind und noch immer stoßen, von diesen Frauen genommen werden können.

Wie ich schon sagte, habe ich im letzten Monat mit vielen jüngeren Frauen gesprochen und sie sagen mir: "Wissen Sie, wir sind jetzt viel stärker. Und wir würden das Verhalten der Männer nicht akzeptieren, wie es Ihre Generation getan hat." Und dann habe ich sie gefragt, ob sie Familie haben. Und in den meisten Fällen haben sie keine. Und sie sind erst seit einigen Jahren berufstätig - UND sie gehören zu einer Art "Elite" - da wir über gut ausgebildete, städtische Intelligenz sprechen. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit für alle Frauen - leider auch in den jüngeren Generationen.

Das Wichtigste ist: Die nächste Generation muss wissen, wie sie aufstehen kann, wenn sie fällt. Denn heute sind sie ja alle auf Instagram. Jeder ist dort schön, alles ist großartig. Wenn sie aber das erste Mal fallen, werden sie depressiv, bekommen psychische Probleme, können nicht kommunizieren, werden oft von Hilfssubstanzen abhängig, weil sie keine natürlichen Ausgleichsmöglichkeiten haben.

Das ist ein Kernpunkt: Lernen, wie man aufsteht. Sehen Sie mich an: Ich habe schon so oft versagt. Ich habe so viele Male verloren. Heute gewinne ich. Ich bin eine Gewinnerin. Sie haben sehr recht. Besonders Frauen müssen verstehen, dass der Weg zum Erfolg nicht immer gerade ist und nicht immer Perfektion erfordert.

In meiner Netflix-Episode habe ich erzählt, dass meine Mutter bei meiner Geburt geweint hat (weil Asma die zweite Tochter war). In meiner Kultur ist es eine sehr große Sache, so etwas laut auszusprechen. Und es war ein Albtraum für mich. Aber ich musste es erzählen, damit die Mädchen, die zu Hause begraben sind, die zumindest im übertragenen Sinn zu Boden gedrückt werden, verstehen: „Ich muss mir keine Schikane gefallen lassen, ich sollte AUCH darüber reden, ich muss sogar darüber reden.“

Ich erzählte diese sehr persönliche Geschichte und es fiel mir wirklich schwer. Aber mir wurde klar, dass ich mit diesem Film eine Chance bekommen hatte. Die Chance, dass jede Frau, die sich den Film anschauen würde, den Mut finden würde, zu fragen: "Warum hast du mich so behandelt? Warum hast du meinem Bruder immer dieses und jenes gegeben und mir nie?" Wenn Sie hören, dass es jemand anders laut und öffentlich ausspricht – kann ihnen das großen Mut geben.

Und hier sind wir wieder bei den Vorbildern ...

Ja, und genau aus diesem Grund, wollte ich darüber sprechen. Ich habe über die „Second daughters“ gesprochen, über das Lamento meines eigenen Lebens. Aber ich habe auch erzählt, dass genau durch diese Situation mein Wunsch entstanden ist, Erfolg zu haben – statt depressiv zu werden. Ich wollte zeigen: Wenn ihr mich niederdrückt, werde ich aufstehen! Und dabei ging es nicht um mich, sondern um so viele Frauen in einer ähnlichen Situation.

Ich hätte bei Chef's Table auch einfach über mein Essen sprechen können, aber nein. Es geht in diesen Episoden natürlich um Essen, aber als ich dem Produktionsteam erklärte, was ich erzählen wollte und warum, waren sie sehr berührt. Ich bat sie, mir eine Chance zu geben: Lassen Sie mich meine Geschichte erzählen: Es ist eine Geschichte für alle, und es ist eine Geschichte über Hoffnung.

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Aber wollen die ZUSCHAUER von "Chef's Table" nicht nur etwas über Köch*innen und Essen sehen?

Ich denke, dass Essen die perfekte Bühne ist, um über solche Geschichten und Themen zu sprechen. Denn Essen bringt nicht nur jeden an den Tisch. Sondern jeder kennt sich mit Essen aus und mag das Thema. So kann man ihnen Frauen-Themen zusammen mit den Essensthemen "servieren". Das ist leicht „verdaulich“ aber auch emotional.

Aus den Reaktionen, die ich bekam, habe ich gelernt, dass Frauen aus den verschiedensten Branchen, aus dem Bankwesen, der Technik und der Medizin, dass alle etwas damit anfangen konnten, es alle verstehen konnten  weil sie es oft in andere Form selbst erlebt haben.

Asma, Sie reden nicht nur über diese Themen, Sie tun auch etwas. Nur ein kleines Beispiel. Sonntags öffnen Sie Ihr Restaurant für Köchinnen, damit diese ihren eigenen Supper-Club veranstalten können. Bieten Sie das den Köchen Ihres eigenen Teams oder auch Außenstehenden?

Jede Frau, ob Hobbyköchin oder Küchenchefin eines Dinner Clubs ist, und jeder Frau, die einen Traum hat. Erinnern Sie sich, als wir Kinder waren, wenn wir Einkaufen gespielt haben? So ist diese Möglichkeit, aber für Erwachsenen. Du kommst und spielst in meinem Restaurant. Es gibt dir Selbstvertrauen, das ist das Wichtigste. Es ist umsonst, und wenn eine Person sehr nervös ist, bin ich für sie da.

In Ihrem Buch gibt es einen Teil, in dem Sie darüber schreiben, dass Frauen sich "Sultan" nennen sollten? Können Sie das erklären?

Jeder denkt, dass "Sultan" ein Mann ist, ein männlicher König. Aber auf Arabisch heißt "Sultan" nicht "König". Es bedeutet "Person mit großer Autorität", also sage ich zu den Frauen: "Nennt euch Sultan! Sag dir selbst, dass du die Autorität bist, nicht nur in der Küche, sondern überall. Was auch immer du tust, du weißt, dass du es am besten kannst. Glaub‘ an dich selbst. Nenn‘ dich Sultan! Es ist wichtig, dass du dich als Sultan siehst."

Übrigens: Sehen Sie, ich habe ein Kochbuch geschrieben, aber ich konnte dieses Thema darin ansprechen (sie lächelt)

Mit Asma Khan zu sprechen ist wie sich mit so viel positiver Energie zu füllen - ich verspreche, dass es bei den Culinary Ladies mehr über sie geben wird.

Trailer zur Netflix-Episode Chef's Table mit Asma Khan 

Sie können ihr Kochbuch auf Englisch hier bestellen

Oder warten Sie bis zum Herbst, um es auf Deutsch zu bestellen

Coyright all Pictures: Darjeeling Express, London

 

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UND HIER DIE ENGLISCHE VERSION DES INTERVIEWS SOLANGE DIE CULINARY-LADIES noch nicht zweisprachig sind

HERE THE ENGLISH ORIGINAL OF THE INTERVIEW as long as the Culinary-ladies are not bilingual, yet.

Call yourself Sultan

Heart-opening conversation with Asma Khan

To describe Asma Khan would take more than just a few sentences. But whoever wants to know more about this charismatic woman, who I had the honour and pleasure to meet at the St. Moritz Gourmet Festival, can also watch her Netflix episode at Chef’s table (link at the end of this article). In my interview with her I concentrated on women topics (you can find all about her food in her cookbook, that will be published also in the german market by fall 2020).

Before we met I already knew she was very much into the gender topic, being herself a second daughter in her Indian family. But during our conversation, I was just fascinated about by her deep connection with women. And she is not only committed to the rights of women from India (which unfortunately some journalists have reduced her to) but to women of all origins, religions and skin colors.

She does not talk about this with empty and pugnacious slogans but with a high degree of empathy, intelligent social observation and above all "kindness" (which would only be insufficiently translated as "friendliness" in German). And her observations and ideas do not only address situations from countries that we in the western world like to dismiss as "but with us it is completely different", but situations a lot of us know from their own careers.

And with that she also explains why every woman should call herself "Sultan". The answer in the interview. As well as her thoughts about women supporting women. About how we should treat immigrants, and why she gets paid the same wage as her employees. You really should read it – its heart-opening.

Just to bring you into the picture, a few facts about Asma Khan (with a little help of Wikipedia):

Today the India (Calcutta) born Asma Khan is a chef, multi-restaurant-owner (Darjeeling Express in London), cookbook-author and kind fighter for womens rights. In June 2019 the online-magazine “Business Insider” named her number 1 on their list of "100 Coolest People in Food and Drink". Why emphasize the “second daughter”? Because being a second daughter – in big parts of Indian Society, where male children are much more appreciated, is a “dissapointement” for the parents – a fact Asma Khan is highly engaged to change.

In 1991 Asma Khan moved with her husband to Cambridge and in 1996 to London, where she studied law at King’s College and graduated 2012 with a PhD in British Constitutional Law. In 2012 she started offering a series of private supper clubs in her home. Vivek Singh, the well-known chef, and restaurateur attended one and invited her to host a pop-up at his restaurant, The Cinnamon Club. Since she started with mostly local female immigrants working for the first time in a professional kitchen, she had to struggle first – until a review by a well known food critics of the London Evening Standard brought her attention and finally customers.

To make the story short: In 2016 she opened up her restaurant Darjeeling Express, which offers Indian home cooking specialties. Asma Khans team consisted of Asian immigrant women who all had full-time jobs and were never trained professionally; they worked for Khan on their days off but were able to cut back hours at their other jobs and eventually give them up altogether. Most of the all-female kitchen staff at the restaurant are second daughters. All are South Asian.

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The Interview

Asma, when you started your restaurant. Was it by chance or your clear intention to work only with women?

Asma: With women with an immigration background.

Right. And I bet a lot of people now think: “Oh, that’s great! “ But I imagine, it was also hard work.

Yes it was. What was the hardest part? The biggest difficulty was in showing people that something like this could work. Nobody had seen it before, anywhere else. From 2012 onwards I was doing food business. When I started this project in 2017, there was no one like me. And the problem is, that most people cannot think of something they cannot see. You have to make people believe in themselves by showing them what they can achieve.

Today, only a few years later, if any women of any color, background or nationality wants to start a business saying: I want to have homecooks and I want to build a restaurant with women who are in their fifties, there is our story to see: Look, she did it with all females, women from different backgrounds and it is successful!”

So this really was the hardest thing: To believe in a story, to believe in a dream that no one had ever seen come true before.

Actually I think, this is really the biggest problem for a lot of women – especially in leading positions or by planning a business. There are just not enough role models.

Right. Those role models are actually very important for us. But there is another point: It is so important for those women, who make it, to continue supporting other women. You know, I don’t want to break the glass ceiling, I want to bring the building down - and fill it with women.

I don’t want to be number one and only. Because this is very often the problem with women. Great, she is the CEO of something, one single woman. But how many women has she worked with her? Is she talking about women's issues? Is she talking about emancipation? A lot of them don’t. They only then talk about their company and about their position. They forget who they are. And this is very damaging for us.

Not to do the same, is the reason I decided to build my restaurant the way I built it. And this is why am very happy, you come to speak to me. I saw what you are doing and thought “Great!“ Because by talking to you I will talk to women because you and I fighting the same battle. Our background doesn’t matter. You hit the hurdle, the same as I do.

Oh, I am happy to see it that way! And yes, I think there really is a problem of women in positions where they could do something for other women. Yes, there are still problems with men, in your original country even more than here. But I think, while these issues definitely have to be solved and changed, I don’t like to talk about them all the time, because it always shows women as victims. Instead, I think, we should celebrate those women who make it.

Yes, we should. But those women have the obligation to support other women. They have to talk about them. AND a successful woman also has to talk about how hard her journey was. Admit what obstacles she had to struggle with and how she overcame them.

Women just started to network a few years ago. Is this a step in the right direction?

In away. You see, man network in bars or playing golf or doing another sport. For a woman eight-o-clock-drinks after work very often aren’t an option. Most of us are dead by then. Because all of us have something to take care of – men have not. Whether it is a pet, whether we have to care for our elderly parents or looking for the children. This is still our job in our society. So most of us cannot meet after work.

Therefore we need to create space for women. But for women to go out and meet somewhere plus having a successful career is still hard. This is, why I think, what you do is incredible because it is forming a virtual platform.

(Actually, I am a little embarrassed by this praise, since we are yet at the beginning. But maybe I should learn to say proudly: "Yes, and we will grow and stronger soon!”). Thank you again. But we are still at the beginning. And my goal is also that “my ladies” start to think of other females automatically, for example when planning an event of their own. I don’t want to be the only one to develop and organize events. But I think it needs time to get that spirit to all of us.

But it is so true: Women should support women because if they don’t, who does?

And what about the problems with men?

The point is, not to fight with men. Of course, if a woman gets paid less for the exact same position as one of her male colleagues, she should go and ask for the same salary and also make this problem public. See what happened to the BBC, they even got sued for that. And this is right and good. Because if it happens at a company like the BBC, you know that it happens everywhere - even here in the western world.

By saying we should not fight with men, you mean we should fight for our own rights but not against men?

We should not see man as an enemy. This is how you weaken your position. You are weakening your position by creating an enemy you hate. What you should do instead, is create a love for yourself. Forget about them. Forget about what is happening to men. They are doing very well – and I am very happy about that. I’ am not bothering about them.

I only bother about the woman who is struggling. Who wants to be successful. I worry about her mental health, because she is exhausted because she has to be all over the place. She is guilty because she is struggling with the children and has no partner who is supportive. We all know this feeling of guilt. When we are home, we feel guilty about work, when we are at work, we feel guilty about home. We will always be the one to step in with family concerns. Because we are the carers. This is just who we are, this is in our DNA. And also society expects us to care: you are a wife, a mother a daughter – you look after. And in general, there is nothing wrong with it.

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I often talk to much younger ladies and they tell me, that this in an oldfashioned model of life and that their generation is much more self-confident already, demanding much more family engagement by their partners. But unfortunately, statistics prove different. As soon as it comes to starting a family most of them fall back in the traditional roles – with a little bit more male engagement than in older generations.

And as I said, there is nothing wrong about it. But think of it: It is like a race. When our race starts, we have two stones tied on us, while the men have nothing on them. And we are told, that we cannot get to the winning line. But still, we run the race. This is what happens to women everywhere. But we keep running. And some of us hit the winning line, somehow. The rest never will. Because the top management everywhere consists of men. So, if a woman makes it, she should take some stones from the others. This is why I said, I don’t want to break the glass ceiling, I want to tear the whole building down. Then there will be no one who is higher and who is lower and all of us are winners, and all of us can achieve our dreams.

So what’s your dream? This IS my dream - and I dream it every night - to break the chains of women. But I can never break the chains if the women themselves do to not see the chains. In my culture, for example, they don’t even see the chains. Society has put chains on them, culture, tradition, their own.

Talking about culture. You hit some other important topics – because you are a woman of color, an immigrant and a Moslem. I think, between us women we need to try and understand women of color. Because we fight two battles. As a woman and as a woman of color.

You are right. And this is something especially people in the north-western world really have to understand. Because before, we did not have that many people of color in our countries (except maybe The Netherlands and Great Brittain out of their history) And the problems for, especially female, immigrants from Turkey, for example, could easily be ignored (unfortunately). But nowadays this is no longer possible.

It is our duty to integrate women of color in our society – and in our economic system. And you have to get this cultural understanding. You know, sometimes people are surprised when I tell them: “I don’t eat pork, because I am a Moslem.” They get very confused because they think: “Oh she doesn’t eat pork because of her religion? Then she must be very traditional. But wait, she is modern and successful! How is that possible?”

How do you feel, when you get this reaction?

I myself have been in a relatively comfortable (financial) situation when I came to Europe, so I didn’t have to struggle with those prejudices AND financial problems. But I still know the feeling of being a “stranger” and therefore disrespected very well. But you know: I don’t have to let go of everything from my culture to fit into. What I need to know instead is, that other people are embracing me just as a woman, as a person. I need humanity and kindness. Just give me an equal chance.

Yes, a woman may wear a Hijab. Yes, she may not know how to do some things, may not know how to speak very good German or English or French. But she’s trying. So give that person benefit and don’t push her down, when she is trying. I began to learn English in India and it was difficult. Today I am fluent. But when people come to me to speak in broken English, my heart melts, because I remember myself.

This is something I do very often observe on the streets. People ask - for directions or some advice in a store – in broken English and instead of just answering in normal sentences, locals explain in a strange broken language without any grammar - or not at all if they don’t like the look of the people (talking about respect).

It is painful to treat people like that. And it is especially painful if women treat other women like that. I think the most important thing is kindness. Women need to be kind to each other. Forget about love or relationships to man, that’s not what I mean. I want them to be kind to each other. Because every woman is fighting battles, that you cannot see. You cannot see her battles or the things she has left behind, that were precious to her. Don’t judge her - do not judge women. This is very important. No pigeon-hole-thinking. How do you know about her, about the choices she had to make. And here we are with women in general again.

Do women judge other women too easily?

I don’t know, but they should not. I repeat: You don’t know what’s behind her face. Maybe the decision not to have a child for her career. Every time she sees a child her heart hearts. You don’t know this. This is the problem: We don’t know what a woman had to give up. You just should treat every person, every woman, with respect. It’s not that hard.

Kindness is not softness. But isn’t just that what the business world thinks? Teamwork nowadays, yes. Respect for your employees, yes. But kindness? In certain positions, you should be friendly, of course, but kind? You open up a lot if you are kind. To think, that kindness is weakness is a big mistake. On the contrary: Kindness is strength. To be kind to someone, even you do not understand this person completely, is not weak at all.

You know, if someone shows this whole impression of “I’m tough”, “I’m aggressive”, “I’m cold”, “I’m ambitious “. I think: “If it's ok for you … but you are not me!” So you are not though? The thing is: I am kind, I am soft, I am sympathetic, I’m gentle - AND I am a winner. I win with THESE qualities. When people see me, I am sure, they don’t think that I am very weak. Although I only talk about kindness, although I go up to refugee camps. And although I wash pots in my own kitchen. I do the latter, because I get paid the same as every person in my kitchen.

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You get paid the same as every person in your kitchen?

My hourly rate is the same as the one of the person washing the pots. And sometimes she has to do some other works, but the pots have to be washed. So I do that. And nobody says: „You own the company, so don’t do it.“ They know its true, they see my paycheck.

And THIS is how you become powerful. You become powerful by becoming humble. You become powerful by showing humanity to your team. Try it and see what happens to your team. They become tribals. Today I am where I am because of my women. They would give their life for me. They don’t respect me, because I’m their boss. They see me as someone they want to aspire beeing. Because when they know, that we are the same, then they also understand, that they then can become me.

I am touched.

This is very powerful. Let every woman, even in our own team believe, that not only she can become you, but that she can even surpass you. Leave a legacy. We need to leave ripples. You know the picture when you throw a stone in the water? It leaves ripples. So throw your stone very hard, and the ripples will go long after you’re dead. You’ll leave the seeds of success for the next generation.

We don’t need to fix our generation. We need to make the leaders of the next. So that all the hurdles we hit, these girls will not hove to.

As I said, in the last month I talked to quite a of younger women and they tell me: “You know, we are much stronger now. And we wouldn’t accept the behavior of men as your generation did.” And then I asked them, whether they have a family. And in most of the cases, they don’t. And they are into their jobs for only some years - AND they belong to kind of “elite” – since we are talking about well educated, urban intelligence. But this is not the whole truth for all women – unfortunately, even in the younger generations.

The most important thing is: The next generation needs to know how to get up when they fall. Because today everyone is on Instagram. Everyone is beautiful, everything is great, The first time they fall, they get depressed, they get mental health problems, they cannot communicate, they become dependent on other „balances“ because they do not have natural balances. This is the thing: To learn how to get up.

Look at me: I have failed so many times. I have lost so many times. Today I win. I am a winner.

I agree. Especially women need to know, that it is not always a straight line to success.

In my Netflix Episode, I said, that my mother cried when I was born (because Asma was the second daughter, editors comment). In my culture to say such a thing out loud, it is a very fat big thing. And it was a nightmare. But I needed to say it, so that those girls who are buried at home, who are pushed down, will realize: I don’ t need to be bullied, I should also talk about it, I even need to talk about it.

I told my most secret thing - which was really difficult for me. But I realized, with that film, I had a chance. The chance, that everybody who would watch this film, would find the courage to ask: “Why did you treat me that way? Why did you always give my brother this and that and never me?” If you watch someone say it out loud – it might be such a big thing for yourself.

And here we are with the role models …

Yes and this is, why I did it. I talked about second daughters, I talked about the lamento of my life. And I told them, that this made me want to succeed - and not to become depressed.  I wanted to show: if you push me down, I’ll raise!

It was important to say that - not for me, but for so many women. I could have just talked about my food there, but no. This film is about food, but when I told the production team what I wanted to say, they were very moved. I asked them to give me a chance. Let me tell my story: This happened to me, and I succeed. It is a story for everybody and it is story about hope.

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But in “Chef’s Table” do people not just to want to see chefs and food?

I think food is the perfect stage to talk about such stories and topics. Because food does not only bring everybody to the table. But also because everybody understands about food. So you can „serve“ them topics of women together with the food-topics. In this way, it comes along easy. From the reactions I got, I learned, that women from all different industries, from banking, tech, and medicine, have all related to this because they were able to understand, knowing a form of this situation themselves.

You do not just talk about those topics, you actually do something. You're not only working with only female staff – but on Sundays, you open up your restaurant to female chefs, so they can do their own supper club. Do you offer that to chefs of your own team or to anyone?

It is open to any female, who is a home chef or who is supper club chef and any female. who has a dream.

Remember, when we were children, we would play shop? It is like that for adults. You come and you play in my restaurant. It gives you confidence, that’s the most important thing. It is for free and if a person is very nervous I am there for her.

In your book, there is a part, where you write about how women should call themselves “Sultan”? Can you explain that?

Everyone thinks, that “Sultan” is a man, a male king. But in Arabic “Sultan” is not “king”. It means “person of great authority” So I say to women: “Call yourself Sultan! Tell yourself that you are the authority, not only in the kitchen but everywhere. Whatever you do, you know you do the best. Believe in yourself. Call yourself Sultan! It is important that you see yourself like a Sultan.”

By the way: You see, I wrote a cookbook, but I could put something like that in it (she smiles)

Talking to Asma Khan is like filling yourself up with so much positive energy – I promise, there will be more about her at the Culinary Ladies.

Trailer to the  Netflix Episode of Chef’s Table with Asma Khan

Link to her London Restaurant Darjeeling Express 

You can order her cookbock in English here  

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