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Die Bühnenbildnerin zurück

22. Oktober 2018
Monsieur Hu - Intererior Design Natali Nguyen

 

Kennengelernt habe ich Natalie Nygyen-Ton bei der offiziellen Eröffnung des Restaurant Shimai in München. Das dortige Design-Konzept war als  „Chinoiserie 2.0“ angekündigt worden – und bezauberte alle Gäste. Highlights sind die schwarz-weiße Tapete im Tattoo-Look mit Kois, Drachen und Vögeln, die unter Jean Paul Gaultiers Federführung von Lelièvre für das Shimai gefertigt wurde, und das imposante Wandgemälde des Münchner Künstlers Zoltan Maar an der Stirnseite des Restaurants. Das Unikat (Acryl auf Plexiglas) lehnt sich im Stil an traditionelle japanische Motive an, die dank der illustrativen Note des Künstlers einen modernen Touch bekommen – transparent und dennoch in intensiv leuchtenden Farben. Nix mit ganz normalen China-Look!

 

 

 

Das „Shimai“ ist das aktuellste Projekt von Natalie Nygyen-Ton, die sich inzwischen auf die Inszenierung von Gastro-Bühnen spezialisiert hat. Und damit ist sie definitiv eine Culinary Lady. Wir sprechen über ihren Weg in die Gastronomie-Szene, ihre Inspiration, Frauen auf der Baustelle und einen kleinen Traum von ihr. Als Tochter vietnamesischer Eltern im Saarland geboren, zog sie mit der Familie im Alter von sechs Jahren nach Bayern – womit sie erstmal überhaupt nicht einverstanden war. Das hat sich allerdings geändert. Heute liebt sie die Landschaft, das Wetter und die Mentalität der Menschen. (das hat sie ganz unaufgefordert gesagt, deswegen gehe ich mit dieser Anmerkung nur meiner Chronisten-Pflicht nach) Sie studierte Innenarchitektur und begann beim Fernsehen Praktika zu machen und später auch die RTL2-Sendung „Zuhause in Glück“ zu moderieren . Bei dieser Arbeit ist die Idee entstanden, Bühnen zu bauen.

 

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Das Interview

Nathalie: Mich hat fasziniert wie man innerhalb (von) kurzer Zeit ganz neue Welten schaffen kann. Mein Plan bestand darin, nach Abschluss des Studiums in Richtung Set-Design für Film und TV zu gehen.

Was hat sie davon abgehalten?

Es war mir zur kurzlebig. Ich fand es einfach schade, dass nach dem Dreh meistens alles zu Kleinholz wird, ähnlich wie beim Messebau. Ich wollte doch eher etwas Nachhaltiges schaffen.

Wie sind Sie denn dann zur Gastronomie gekommen?

Vor circa zehn Jahren kam ein Freund zu mir und sagte: „Natalie, ich möchte ein Lokal) eröffnen, dass es so noch nie auf der Welt gab und du entwirfst das“ Und das war das Monsieur Hu. „Ok“, dachte ich, „dann spinne ich mal“. Das Lokal war ja vorher eine Kegelbahn mit dementsprechend langgezogenen Räumen. Die haben wir mit Lichtbögen in einen futuristischen Tunnel umgewandelt. Ich spinne mal und damit hatte er er ja auch seinen Erfolg. Leider haben die Nachbarn dagegen geklagt, daher gibt es das Lokal nicht mehr. Aber es war mein Einstieg in die Gastronomie. Das Projekt war auch viel in der Presse und im Fernsehen und seitdem ging es bei mir richtig ab mit Aufträgen.

Glücklicherweise musste ich auch nie akquirieren und bekomme inzwischen fast nur noch Anfragen aus der Gastronomie, darunter viele asiatische Konzepte, was mit meinen Wurzeln auch Sinn macht.

Ein Projekt war aber aus das Parkcafé[1]. Da haben Sie gemeinsam mit Carolin Schneider auch ein ganz neues Ambiente geschaffen.

Ja, das war für Christian Lehnerm mit dem man auch immer wieder gut zusammen „spinnen“ kann. Das Schöne ist, dass er sehr offen für Gewagtes ist, so entstand auch die James Bond Wand im Parkcafe, die sich per Knopfdruck hochfährt, wenn Bands oder DJs spielen, die plötzlich hinter der Wand auftauchen. Wir tüfteln gerade auch noch an einem neuen spannenden Projekt, aber darüber kann ich noch nicht sprechen.

Solange Sie mir dann davon erzählen, wenn es aktuell wird ...

Ihrem Traum Bühnen zu schaffen, sind sie ja tatsächlich in der Gastronomie ganz nahe gekommen – wenn auch ein bisschen anderes als geplant. Man sagt ja immer ein Koch braucht seine Bühne. Werden solche Bühnen nicht auch immer wichtiger

Gerade in Großstädten wie München, Berlin oder London kann man eigentlich nicht mehr darauf verzichten, dass man ein entsprechendes Interior hat, eine angemessene Atmosphäre die zum Konzept des Restaurants passt. Ich kann mich nicht damit zufrieden geben, einfach schöne Möbel auszusuchen. Es muss immer der Gedanke dahinter stecken, was für eine Welt, was für eine Kulisse denn entstehen soll. Das bedeutet nicht, dass es immer teuer oder edel sein muss oder durchgestylt. Ich finde, man muss einfach die Seele des Restaurants treffen. Wenn mir das gelingt und sich die Gäste und der Wirt wohl fühlen, bin ich auch glücklich.

[1] Parkcafé: Szenelokal und Club in München

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Das passt ja auch sehr gut zu dieser Speisekarte, die ja auch ein Mix von vietnamesisch bis japanisch ist. Haben denn die Besitzer normalerweise schon genau Ideen davon, wie ihr Restaurant aussehen soll und geben Ihnen das vor?

Manche haben schon bestimmte Vorstellungen, können das aber oft nicht so richtig ausdrücken. Die sagen dann zum Beispiel „ich möchte etwas mit Drachen“ oder mit Geishas oder mit bestimmten Farben. Meine Kunst liegt dann darin, den Auftraggeber zu lesen und ein ihm zugeschnittenes Konzept zu kreieren. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Und bis es für alle sitzt, braucht es manchmal auch einige Entwurfsgänge. Hier gab es zum Beispiel schon zwei andere Entwürfe. Aber letztendlich sind meine Auftraggeber jetzt 100prozentig zufrieden. Das ist meistens eine Entwicklung, die mal schneller geht und mal eine Weile dauert. Wichtig ist nur, dass zum Schluss das Ergebnis passt und alle glücklich sind.

Vielleicht etwas naiv gefragt: Müssen Sie in einem Restaurant das Essen probiert haben, bevor sie eine Vorstellung für das Interior haben?

Nein, also in meinem Fall bzw. in diesem Fall nicht, da ich selbst Vietnamesin bin und das Essen kenne. Aber prinzipiell hilft es schon zu wissen, was auf der Karte steht und welche Vorstellungen die Küche generell hat. Essen braucht auch eine Kleidung. Aber daraus mache ich nicht den Entwurf. Es geht vor allem darum, was die Gastronomen mit ihrem Restaurantkonzept vermitteln wollen. Und zu Zeiten von Instagram kommt auch immer häufiger der Anspruch, dass sich „auch Bloggerinnen hier fotografieren.“

Instagram-tauglich!  Das gehört wohl inzwischen dazu.

Ach, man lernt mit jedem Projekt dazu. Das Wichtigste ist aber immer „Form follows function“. Zu allererst muss der Betrieb funktionieren. Die Bar muss groß genug sein, damit genügend Leute daran arbeiten können. Für den Service müssen die Wege frei sein, manche Gastronomen neigen dazu, zu eng zu bestuhlen. Aber es gibt auch viele bürokratische Auflagen, wie zum Beispiel Fluchtwege, die eingehalten werden müssen. Erst wenn alle Abläufe gewährleistet sind, kommt die Verpackung. Deswegen brauche ich auch immer am Anfang jedes Projekts ein ganz enges Gespräch mit dem Gastronomen selbst, im Idealfalls auch mit den Service-Leuten und der Küche.

Kümmern Sie sich auch um das Thema Geschirr und Besteck?

Ja, wenn es gewünscht ist. Das geht auch bis zur Speisekarte und zur Arbeitskleidung. Manche Betreiber haben aber schon ihre eigenen Vorstellungen und ich schau’ nur mal drüber und geb‘ meine Meinung ab. Aber das ganzheitliche Konzept ist für mich schon wichtig. Ob das jetzt die Außenwerbung betrifft, die Art Gerichte anzurichten, die Kleidung. Das spielt alles eine Rolle. Manchmal muss ich da auch viel Überzeugungsarbeit leisten: Dass überhaupt ein Innenarchitekt notwendig ist und ein Grafiker die Speisekarte entwirft. Immer wieder heißt es: „Muss das wirklich sein?“ Und sie fragen, ob es nicht auch ginge, die Karten selbst abzutippen und daheim auszudrucken. Ich rate allen immer, das Geld in diese Dinge zu investieren, denn man sieht am Ende, ob es professionell gemacht wurde oder „homemade“.

Sie haben im Vorgespräch gesagt, dass Sie sich auf den Baustellen oft gegen die Männer durchsetzen mussten…

Oft ist es ja so: der Architekt ist ohnehin immer „schuld an allem“- Bauverzug, Fehler, Mehrkosten usw. Und als Frau ist es nochmal schwieriger, vor allem dann, wenn man vielleicht auch noch unterschätzt wird, weil man jünger aussieht. Ich bin mittlerweile 40. (was man tatsächlich nicht schätzen würde, Anm. d.R), Dann wird man schnell wie ein kleines Mädchen behandelt. Deswegen musste ich mich in den Anfängen umso mehr behaupten. Das war wirklich eine Entwicklung. Auf den ersten Baustellen, vor 13 Jahre,n hab‘ ich auch die eine oder andere Träne vergossen, weil manche Handwerker einfach nicht gehört haben. Mittlerweile kann ich mich ganz gut durchsetzen und habe auch den Ruf, durchaus forscher sein zu können. Aber das muss man sich erst einmal antrainieren. Auf der Baustelle brauchst Du eine dicke Haut.

Muss man sich da auch anders, nicht zu feminin anziehen?

Man muss sich sicher nicht verkleiden. Aber das Gesamterscheinungsbild hängt schon auch mit der Kleidung zusammen. Du darfst eben nicht wie ein kleines Mädchen rüberkommen. Viele sagen auch, ich sei sehr burschikos geworden. (Ich versuche mich einigermaßen männlich, oder eben nicht reizvoll zu kleiden, das macht schon was aus. Du willst ja auf der Baustelle nicht angeflirtet, sondern ernst genommen werden.

Es ist eben eine Tatsache: Der erste Eindruck zählt und das Äußere ist auch wichtig, bei Frauen wie Männern. Wir wollen ja auch nicht ein teures Autohaus betreten und auf einen Verkäufer im Beach-Look treffen. Das mag oberflächlich sein, aber Dress-Code gibt es schließlich nicht umsonst. Und auf der Baustelle sind eben nicht Kleidchen und High-Heels angesagt.

Beruflich läuft es bestens. Gibt es noch einen Traum, den Sie haben?

Auch wenn ich meine Arbeit liebe, wäre es mein Traum, mal ein bisschen mehr Zeit für mein Privatleben zu haben und vielleicht eine größere Reise zu planen, was seit über 10 Jahren nicht möglich war, da es nie mal eine längere Schaffenspause gab... . Aber wenn möglich versuche ich doch, jede freie Minute zu nutzen, um abzuschalten, weg zu fahren und zu entspannen.

Das haben Sie ja dann mit KöchInnen gemein..

Ja, und wenn wir schon von Köchen sprechen, ich würde gerne mal in die Sternegastronomie reinschnuppern und wenn es nur ein zwei Tage sind. Das fasziniert mich

Das kriegen wir hin – wenn ich dann drüber schreiben darf.  

Es wäre mir eine Ehre!

Fortsetzung folgt also ...

Bildnachweise: Natalie Nguyen 

 

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