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Bloß keine Wunder zurück

10. Juli 2019

Berlin) Diät-Bücher sind die meist verkauften Koch-Bücher und nicht nur Frauenmagazine überschlagen sich ganzjährig mit den neuesten Abnehmtricks und Wunderdiäten. Das funktioniert vor allem so gut, weil der Erfolg der meisten Diäten eben nicht langfristig ist und dann der neueste Trend gesucht werden muss. Nadine Hüttenrauch geht da einen etwas anderen Weg – und hat mit diesem auch den Sprung von der festangestellten Unternehmensberaterin zum Ernährungscoach gewagt – und dabei schnell gemerkt, dass ersteres bei Zweiterem durchaus geholfen hat. Ich kann allerdings nicht der Versuchung widerstehen, in diesem Interview nicht nur über ihren Weg zu sprechen, sondern eben auch darüber, wie ich meine regelmäßigen Süßhunger-Attacken in den Griff bekomme.

Nadine, du bist heute Ernährungscoach. Was ist der Hauptfokus deiner Arbeit?

Natürlich schon die Ernährung. Sie ist aber vor allem das Greifbarste. Um das zu erklären, muss ich einen Schritt zurückgehen. Ich habe nämlich festgestellt: fängt man erst einmal an, seine Ernährung mit „Was tut mir gut?“ zu hinterfragen, überträgt sich das oft auch auf andere Lebensbereiche. Man fragt sich dann auch im Job „Was tut mir gut?“, „Was will ich eigentlich wirklich?“ Und deswegen ist für mich Ernährung quasi ein Einstieg, das (Lebens)-Thema zu dem die meisten am einfachsten eine Beziehung herstellen können. Grundsätzlich liegt meine Vision aber darin, Menschen dazu hinzuführen, ihr individuelles Wohlbefinden zu steigern. Dabei unterstütze ich sie. Und Ernährung wiederum ist ein Weg dort hin.

Du selbst bist sehr schlank, kennst du das Problem überhaupt aus eigener Erfahrung?

Zunächst mal: Echtes Wohlbefinden hat nicht mit Gewicht zu tun. Ich habe definitiv aus eigenen Erfahrungen gelernt, wie wichtig gesunde Ernährung ist. Mein ehemaliger Job in der Unternehmensberatung war sehr stressig, ich bin viel gereist, habe mich sehr ungesund ernährt und das ist mir ganz wortwörtlich auf den Magen geschlagen. Und dann habe ich mich daran erinnert, dass meine Mutter eigentlich immer sehr stark auf unsere Ernährung geachtet hat und beschlossen, für mich selbst wieder mehr darauf zu achten. Und da habe ich sehr schnell gemerkt, wie deutlich sich nicht nur mein körperliches sondern mein gesamtes Wohlbefinden verbessert, wenn ich etwas an meiner Ernährung verändere. So habe ich die Faszination und Leidenschaft für dieses Thema entdeckt.

Und wie hast Du Deine Ernährung dann umgestellt?

Ich muss zugeben, zuerst wurde ich ein bisschen extrem. Es ist ja oft so: Je intensiver man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr Regeln legt man sich auf. Ich habe angefangen, mich vegetarisch, laktosefrei, glutenfrei und dann noch low carb zu ernähren. Aber das wurde irgendwann zum Krampf. Denn ich liebe ja gutes Essen. Also habe ich das alles über Bord geworfen und darauf geachtet, was mir persönlich gut tut. Und das ist genau das, was ich jetzt auch meinen Kunden vermittle.

Apropos Kunden – bevor ich gerne nochmal auf Deine Methode kommen möchte: Du hast Deine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Das klingt immer so traumhaft aber es funktioniert ja wohl nicht einfach so?

Nein. Ich war noch in meinem alten Job und habe damals meinen ersten Blog angefangen. Gleichzeitig habe ich mich immer mehr in die Thematik eingelesen und irgendwann beschlossen: Ok, ich mache eine entsprechende Ausbildung. Einerseits kann ich so mein Wissen fundieren aber auch rausfinden, ob das Thema wirklich der Weg ist, den ich einschlagen möchte.

Welche Ausbildung hast Du gemacht?

Natürlich habe ich zuerst an Ernährungsberatung gedacht, allerdings nach ein wenig Recherche festgestellt, dass Gesundheit, um die es mir ja vor allem ging, etwas Ganzheitliches ist. Und aus meinem eigenen Alltag wusste ich auch, dass ich mit Ernährung zwar einiges beeinflussen kann, mir aber, wenn ich sehr gestresst bin, auch Lebensmittel nicht bekommen, die ich sonst gut vertrage. Ernährung hängt also ganz eng mit Stress und Schlaf(mangel) und ähnlichen Themen zusammen. Und irgendwann bin ich auf die Ausbildung zum Gesundheits-, Ernährungs- und Lebensberater gestoßen, die eben auch Bereiche außerhalb der Ernährung mit einbezieht.

War diese Ausbildung nebenberuflich möglich?

Ja, ich musste dafür noch nicht ins kalte Wasser springen. Aber ich habe dort auch wirklich gemerkt: Genau das ist es, was ich machen möchte. Gleichzeitig gab es in meinem festen Job damals keine große Zukunftsperspektive, ich hätte also so oder so etwas ändern müssen. Ein Freund von mir, nennt das einen „lucky push“ des Lebens. Ich habe mich also vor vier Jahren selbstständig gemacht.

Und es je bereut? Wie läuft es denn?

Bereut habe ich diese Entscheidung nie. Es läuft gut, aber es läuft immer wieder ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Angefangen habe ich mit dem Gendanken: Ich lasse alles, was ich vorher gemacht habe, hinter mir und bin nur noch Ernährungscoach. Und dann haben sich Aufträge ergeben, die ich mir vorher gar nicht vorstellen konnte, dass es sie gibt. Es taten sich plötzlich Möglichkeiten auf, bei denen ich nicht nur mein Wissen im Bereich Ernährung und Gesundheit mit einbeziehen konnte, sondern auch die Erfahrung aus der Unternehmensberatung und Wissen zum Thema Projektmanagement – und beide Bereich miteinander verbunden.

Unternehmens- mit Ernähurngsberatung? Kannst Du ein Beispiel nennen?

Mein erster Kunde war eine Fastenklinik. Da ging es um Projektmanagement, das natürlich „Fasten“ zum Thema haben sollte, aber verbunden mit Edutaiment-Filmen. Inhaltlich war ich natürlich voll im Thema und gleichzeitig habe ich das ganze Projekt gesteuert und vorangetrieben. Ein anderer Kunde von mir ist ein Lebensmittelunternehmen, das innovativ und nah am aktuellen Marktgeschehen bleiben will. Für diesen Kunden mache ich Trendscouting und Marktrecherche, entwickle aber auch gemeinsam mit dem Kunden Geschäftsmodelle, die zu deren Konzept passen. Da kann ich wunderbar meine Erfahrungen aus der Unternehmensberatung und mein Wissen über Ernährung, aber auch darüber wie Menschen zum Thema Ernährung ticken, kombinieren. Und letzteres finde ich sehr persönlich wiederum über meine Einzelcoachings heraus.

Du schreibst aber auch für Magazine, gibst Workshops und Seminare?

Ja und ich freue mich, dass meine Arbeit so vielfältig ist und es jedes Jahr spannend bleibt, welche neuen Aspekte dazu kommen. Es ist auch toll, dass ich so viele Teile meiner Persönlichkeit über meinen Job ausleben kann. Tatsächlich fokussiere ich mich gerade wieder mehr auf meine eigene Marke, meinen eigenen Ansatz. In den letzten zwei Jahren habe ich verstärkt im Bereich Dienstleistung für Unternehmen gearbeitet. Aber auch wenn das finanziell attraktiv ist, schafft es doch ganz schöne Abhängigkeiten. Bricht da ein Auftrag weg ... . Und genau diese Erfahrung habe ich letztes Jahr gemacht. Deswegen habe ich jetzt beschlossen, mich wieder unabhängiger zu machen. Ich will meinen eigenen Ansatz verstärkt bewerben, wieder mehr Einzelcoachings machen oder auch meinen Online-Kurs anbieten, um mich selbst besser aufzustellen.

Das perfekte Stichwort zu deiner Methode und zu „Natürlich Nadine“. Es geht dir, wie du es für Deinen Online-Kurs beschreibst, darum deine Klienten zu einem natürlichen Essverhalten, einer entspannten Beziehung zu Essen und einer individuell gesunde Ernährung zu bringen, bei der sie ihren natürlichen Bedürfnissen folgen, frei von Diättrends, Dogmen und Verzicht.

Da muss ich jetzt als „Betroffene“ ein bisschen ausholen. Ich bin der typische Frust und Stress-fresser. Nun ist es aber doch ein riesiger Unterschied zwischen „Was tut mir gut?“ und „Was meine ich, das mir gerade gut tun würde“. Das kenne ich bestens aus eigener Erfahrung. Ich WEISS, die Banane würde mir gut tun, aber mein Stress-Schweinehund flüstert „Gummibärchen!“ „Schokolade“ . Und ja, ich weiß, nach der Schokolade geht es mir fünf Minuten gut, dann sinkt mein Insulinspiegel aus lichter Höhe ab, ich habe gleichzeitig Völlegefühl und Heißhunger, esse irgendwas Salziges und am Ende des Tages fühle ich mich nicht nur müde und auch sonst nicht gut, sondern bin auch frustriert, weil ich mal wieder „versagt“ habe ...

Das ist ganz spannend, wie du selbst schilderst, welcher Kreislauf dahintersteht. Du hast also zumindest schon mal da System erkannt. Das muß ich meine Klienten oft erst aufzeigen. Das ist schon mal der erste Schritt.

Ja, nur leider nützt mir diese Erkenntnis so wenig. Wie kommt das?

Weil man (und du wahrscheinlich auch) meistens den zweiten Schritt nicht geht. Du müsstest dich fragen: Warum habe ich jetzt so Lust auf die Schokolade? Weil ich Energie brauche. Warum brauche ich Energie? Weil ich gerade müde bin. Warum bin ich gerade müde? Ich schlafe zu wenig ... und so weiter. Oft kann der Auslöser in etwas ganz anderem stecken. In den Einzelcoachings sind wir da schon auf sehr spannende Themen gekommen. Aber auch in meinem Onlinekurs versuche ich zu vermitteln, wie man ungesunde, und eigentlich doch auch ungeliebte, Essgewohnheiten nachhaltig verändern kann.

Gerade Süßigkeiten haben doch oft auch mit Selbst-Belohnung zu tun?

Ja, es ist wirklich ein Belohnungsprozess, der abläuft, wenn du in dem Moment zur Schokolade greifst wenn du gestresst bist. Das ist evolutionär abgesichert. Wir haben gelernt: „süß“ bedeutet schnelle Energie und tut gut. Wenn dann ein Stress-Trigger (das kann ja auch Ärger über einen Kunden, Kollegen usw. sein) ausgelöst wird, wollen wir, dass es uns schnell wieder gut geht, also belohnen wir uns mit etwas Süßem. Dann speichern wir das ab und dieses Belohnungssystem ploppt immer wieder auf, wenn der Trigger - Stress, Ärger usw. auftaucht. Ich finde das total spannend und genau darum geht es bei meiner Arbeit. Es geht eben NICHT nur darum, dir zu sagen „Das ist gut oder nicht gut“. Erstens ist das wirklich sehr individuell und zweitens weißt du es (wie die meisten anderen) auch selbst. Um was es mir vielmehr geht, ist, den Menschen mitzugeben, was es heißt Gewohnheiten zu ändern, warum wir überhaupt Gewohnheiten haben woher die kommen und warum sie so fest in uns verankert sind. Und den Menschen dann Tools in die Hand zu geben und damit die Chance wirklich langfristige Veränderung zu bewirken.

Das heißt, du sprichst nicht nur über gesunde und ungesunde Ernährung sondern auch über entsprechende (Lebens-) Gewohnheiten.

Genau, deswegen habe ich auch bewusst „Ernährungscoach“ als Titel gewählt, statt „Ernährungsberater“. Denn ich möchte meine Kunden eher befähigen, sich selbst und ihre eigenen Gewohnheiten besser zu verstehen – und darüber handlungsfähiger zu werden. Natürlich gebe ich auch Tricks an die Hand, aber ich möchte eben auch zeigen, dass man sich Immer wieder selbst hinterfragen muss. Nur so kann man sich so dann langfristig auch selbst helfen. Die Schulung des Bewusstseins ist ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit. Denn nur wenn du dir bewusst bist, was du in einem bestimmten Moment gerade machst, nämlich genau in dem Moment, in dem dein Automatismus, deine Triggerhandlung einsetzt, kannst du dieses Verhalten auch verändern.

Ich habe mal in einem Buch über Raucherentwöhnung den Vorschlag gelesen, man solle sich doch eine andere Belohnung (als in diesem Fall eben die Zigarette) suchen, zum Beispiel eine schöne Tasse Tee trinken. Das hat mich nicht überzeugt. Und aufs Essen bezogen: Ein Stück Schokolade kann ich vielleicht mal mit einer Banane kompensieren, aber wenn der Trigger wirklich zuschlägt ...

Also aus meiner Sicht sind Alternativen schon gut, die können auch helfen. Wesentlich ist aber auch, gerade wenn man etwas verändern will, nicht zu sagen: Ich verzichte jetzt auf Schokolade. Denn dann wirst Du immer an Schokolade denken. Deswegen ist die Idee der Suche nach einer Alternative aus meiner Sicht gut. Wenn Ich dir jetzt sage: „Achte darauf, dass Du keine Schokolade ist, dann denkst Du die ganze Zeit: Ich soll keine Schokolade essen, Du denkst also die ganze Zeit „Schokolade“. Wenn ich dir aber sage „Achte diese Woche darauf, dass du immer eine Banane da hast.“ Dann steht das Wort Banane im Mittelpunkt. Und wenn das nicht hilft, komme ich wieder darauf zurück: Finde heraus, warum Du den Heißhunger bekommst. Und ein weitere guter Trick, der bei meinen Kunden oft erstaunliche Erkenntnisse zeigt. Frage Dich: Wie schmeckt mir das eigentlich wirklich?

Hmm, stimmt. Das erste Stück schmeckt meistens noch echt gut. Das letzte Stück stopft man nur irgendwie hinterher. Erstens das und zweitens – und das trifft insbesondere bei stark verarbeiteten Lebensmittel zu: Wenn du da wirklich mal reinschmeckst, kann es wirklich passieren, dass dir auffällt: „Das schmeckt total künstlich und es tut mir auch nicht gut“. Oder man isst tatsächlich nur die Hälfte. Ich habe selbst angefangen mir das anzutrainieren. Aber das funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen, das ist ein Prozess. Und es funktioniert ganz ähnlich wie mit dem allgemeinen Verbot: Wenn ich mir nicht verbiete, den ganzen Riegel zu essen. sondern mir sage „Ich esse einfach so lange, wie ich es wirklich genieße“, dann erlaube ich mir selbst, früher aufzuhören. Aber, das Ganze gelingt eben natürlich nur dann, wenn ich mir meine Gewohnheiten und Reaktionen bewusst mache.

Ich glaube, Du hast gerade einen sehr wichtigen Satz gesagt: Es ist ein Prozess. Auch wenn es noch so schön klingt. In 10 Tagen zum Super-Body funktioniert eben nicht. Und weil ich mich in diesem Gespräch ohnehin schon so geoutet habe, werde ich mich jetzt gleich mal zu Deinem ganz neuen Online-Kurs ab dem 1. September anmeldung und dann auch darüber berichten. 

Link zur Website Natürlich Nadine

Bildrechte: Nadine Hüttenrauch /Natürlich Nadine

Wer mal sehen möchte, wie der neue größere Onlinekurs bei Nadine augebaut ist, den ich ab 1. September auch gebucht habe, hier ein Überblick. Mehr natürlich auf der Seite

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