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K(ein) Family Business zurück

09. Juli 2019

Ingoldstadt) Wenn dieses Portrait damit beginnt, dass Regina Schneider eine Geschäftsidee angefangen hat als sie bereits fünffache Mutter war (mittlerweile sind ses echs Kinder und ihr Produkt wächst und wächst), dann stellt man diese Tatsache über das tolle Produkt – und: Würde man bei einem Mann sagen: „„Wow, er hatte eine Geschäftsidee, als er schon fünffacher Vater war?“ Nein, würde man natürlich nicht. Aber hier bei den Culinary Ladies geht es ja auch darum, Mut zu machen, zu zeigen, wie es auch mit Familie gehen kann und dass Kinder nicht komplett lähmen – sondern indirekt sogar zu Inspirationsquelle werden können. Zum Beispiel, wenn eine Fünffach-Mutter einen erfolgreichen Energy-und Beauty-Drink (mit der Hauptzielgruppe Frauen) entwickelt.

Regina, Du brauchtest Energy ganz wörtlich?

Die Kinder sind wunderbar und schließlich war ich ja auch ursprünglich mal Erzieherin , aber sie rauben einem natürlich auch den Schlaf. Meine sind alle zwei Jahre geboren. Irgendwann ist man dann schon mal mittags müde, vor allem im Sommer. Und obwohl ich sonst Kaffee in allen Varianten liebe, vor allem im Sommer habe ich wenig Bedürfnis nach einem warmen Getränk. Freundinnen haben mir gesagt, dass sie dann eben zu den üblichen Energy-Drinks greifen – aber nicht, weil sie ihnen schmecken, sondern, weil’s halt hilft. So ging es mir auch.

Du warst also auf der Suche nach etwas ganz Neuem zunächst mal für Dich?

Ja, ich hab’ angefangen zu recherchieren – ich wollte etwas weniger „chemisches“. Irgendwann bin ich dann auf das Thema Guarana als natürlichen Wachmacher gestoßen. Das war damals, vor drei Jahren, noch nicht so bekannt wie jetzt. Ich habe immer mehr darüber gelesen und angefangen zu überlegen, wie man daraus etwas machen könnte.

Du hattest also schon schnell die Idee nach einem eigenen Produkt?

Ziemlich bald jedenfalls. Und dann hat mich mein Mann angetrieben, weil er die Idee so toll fand. Das war gut so, denn natürlich ist das alles nicht so einfach und ich hatte schon mal Tiefs und wollte aufgeben. Aber nach einem Jahr Planung habe ich gesagt: „Ok ich zieh’ das jetzt durch!“ Und als sich dann zwar noch mein Jüngster angekündigt hat, war das schon in dem Jahr, in dem die erste Abfüllung bevorstand und schließlich – letztes Jahr im Mai (2018) – kam dann wirklich das erste Spriva – noch im alten Design – auf den Markt.

Wenn du das jetzt erzählst, klingt es so einfach. Aber von der Idee zum fertigen Produkt sind es ja doch ein paar Zwischenschritte ...

(sie lacht) Natürlich. Also erst ging es mal darum, zu definieren, was ich genau wollte. Ganz klar war: Es sollte erfrischend sein und „erfrischend“ verbinde ich mit etwas Zitronigem, wie beispielsweise Limone. Also habe ich selbst einfach ein bisschen ausprobiert. Zusätzlich zum Guarana und vielen Vitaminen hatte ich dann noch die Idee mit dem Biotin und dem Q10. Das kennt man ja als Tablettenform und im Körper- und Gesichtspflegebereich, denn diese Vitamine sind nicht nur gesund, sondern sorgen auch für ein frisches Aussehen. Und ich habe recherchiert, dass es sie auch in flüssiger Form gibt. Da ich mein Getränk ja vor allem für Frauen machen wollte, entstand so die Idee zum Energy- UND Beautygetränk. Und schließlich sollte es auch noch vegan sein, keine Kohlensäure enthalten und möglichst wenig Kalorien haben.

Aber du hattest immer noch keine Produktion, keinen Vertrieb ...

Ja genau. Ich hab’ zuerst sämtliche für die Produktion in Frage kommende Firmen angeschrieben und mit vielen telefoniert. Wer konnte mir diesen Mix aus Vitaminen dem Guarana und dem Q10 zusammenstellen? Dabei ging es nicht nur im die Produktionsmöglichkeiten sondern auch um das Thema Lebensmittelrecht – man kann ja nicht einfach so zu Hause mal anfangen zu produzieren. Schließlich habe ich in Frankfurt eine Firma gefunden, die mir das Grundgerüst entwickelt hat. Dann standen 20 verschiedene Zusammenstellungen auf dem Tisch, die wir getestet haben. Was passt geschmacklich? Aber auch, welche Konsistenz soll es haben? Denn da war alles dabei von wässrig bis fester. Bis das dann schließlich alles stand, war schon wieder ein halbes Jahr rum. Aber dann haben wir (endlich) das Rezept patentiert – im ersten Anlauf allerdings nicht unter dem Namen „spriva“, der stand noch gar nicht.

Neben dem Namen geht es dann ja auch noch um das Design allgemein, das Flaschendesign usw.?

Richtig, wir haben auch nach einer Flasche gesucht, die gut in der Hand liegt und – im Gegensatz zur Dose – auch wieder verschließbar ist. Man soll spriva ja auch in der Handtasche mitnehmen können. Bei der Öffnung habe ich an Smoothies gedacht – spriva ist ja auch gesund! Dose war übrigens von Anfang an überhaupt kein Thema, für mich war klar, dass es eine Pfandflasche sein müsste. Und schließlich haben wir jetzt eine Firma in Bayern gefunden, die auch großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Ein paar Informationen dazu am Ende des Artikels.

Was ist das für ein Gefühl – zum ersten Mal eine EIGENE Flasche in der Hand zu haben?

Total super. Und jetzt mit dem neuen Design, das wir seit März haben - da brenn’ ich noch mehr dafür, weil ich es seöbst so toll finde. Jetzt haben wir alle Möglichkeiten ausgeschöpft und nächste Woche ist wieder große Abfüllung, das ist einfach unbeschreiblich!

Und das kann einem auch keiner nehmen, oder?

Nein! Und wenn dann das erste Feedback kommt! Wir haben ja schon Stammkunden, die mir auch schreiben, wie gut Ihnen spriva tut!

Apropos Kunden – wo gibt es spriva denn?

Online sowieso. Aber wir sind auch schon in EDEKA Süd- und Nordbayern und Norddeutschland. Und jetzt haben wir auch noch einen Vertrag mit Vertriebspartnern im LEH- und Fitnessbereich unterschrieben.

Und um all das kümmerst Du Dich alleine?

Im Großen und Ganzen ja. Aber bei IT-Fragen ist mein Mann fitter und hilft mir.

Wie kam denn die Listung bei EDEKA zustande? Das geht ja nicht einfach so.

Nein, da muss man hin (sie lacht). Ich habe das Glück, dass die Südbayern Zentrale gleich hier in der Nähe, in Ingolstadt, ist. Also hab’ ich einen Termin gemacht und bin vorstellig geworden. Meinen Jüngsten hatte ich bei diesem Termin dabei. Der war damals gerade ein paar Woche alt und die Vorzimmerdamen waren gleich ganz entzückt. Aber die Handelsagenturen, das sind schon harte Brocken. Ob EDEKA ist oder REWE, da muss man durchaus öfter vorstellig werden und dahinter bleiben. Das waren alles Dinge, die ich erst mal lernen musste. Und: Obwohl spriva in erster Linie ein Frauenprodukt ist: Die meisten EDEKA Filialen werden von Männer geleitet und du musst bei jedem einzelnen wieder einen Termin vereinbaren, bei jedem das Produkt erklären.

Ist nicht mal einer auf die Idee gekommen, eine Frau mit dazu zu nehmen?

Fast nie. Wir haben letztes Jahr auch einen Award gewonnen – und auch dort waren nur Männer in der Jury. Da war ein Tisch mit etwa 20 Männern. Die haben uns natürlich schon gut beurteilt – sonst wären wir ja nicht ins Finale gekommen, aber als es dann ums Ordern ging, wollten sie doch erst mal nur eine Sorte bestellen (es gibt spriva mit dem Geschmack Apfel-Holunder (rot) und Lemon-Mango (gelb)). Aber ich habe mir ja etwas gedacht bei den beiden Sorten, denn sie wirken nicht nur optisch sehr gut zusammen, die Wahlmöglichkeit ist auch ein Verkaufsargument – bei die Zielgruppe Fraue (sie lacht). Aber die Herren wollten nur die gelbe Sorte bestellen, weil die geschmacklich bekannter war ...

Hattest Du auch mal das Gefühl als Frau nicht ernst genommen zu werden?

Ich habe schon manchmal gedacht, dass sie mir gegenüber skeptischer waren, als wäre Ihnen ein Mann gegenüber gesessen. Und auch bei Preisverhandlungen hat das sicher eine Rolle gespielt. Aber ich bin gerade darin natürlich auch nicht geübt gewesen und das Verhandeln liegt mir von meinem Charakter her auch nicht so. Aber das muss man eben lernen.

Ganz ehrlich – ich finde es schon mutig, einfach anzurufen und um einen Termin zu bitten – Respekt!

Ach damit hatte ich eigentlich gar nicht so das Problem. Ich gehe auch von Laden zu Laden und spreche mit den Leuten, das macht mir gar nichts.

Die erste Produktion, das Marketing, das kostet ja alles Geld – wie hast Du das eigentlich finanziert?

Da bin ich natürlich schon aus privatem Fundus in Vorleistung gegangen. Und aktuell sind wir auch noch auf der Suche nach einem Investor. Im Mai hatten wir zu Beispiel in Hamburg die Gelegenheit – zusammen mit 80 anderen startups vor Investoren zu pitchen. So ein Pitch ist ja auch nicht ganz einfach! Das war absolutes Neuland für mich: Vor hochrangigen Investoren mein Produkt präsentieren! Aber ich war einfach so wie ich bin und habe mich nicht verstellt. Das war eine sehr gute Erfahrung für mich – zwei Tage ohne meine Kinder unterwegs zu sein und mich dann dieser Herausforderung zu stellen. Unter anderem war übrigens auch Ralf Dümmel von „Die Höhle der Lowen“ da.

Sich bei die „Höhle der Löwen“ zu bewerben, wäre nichts für Dich?

Vielleicht wage ich es irgendwann. Aber nur, weil die Sendung erfolgreich ist, nicht, weil ich unbedingt ins Fernsehen möchte. Ich stehe nämlich gar nicht so gern im Rampenlicht, habe aber auch schon gelernt, dass man es wohl muss. (sie grinst) Jetzt übe ich auf Facebook und Instagram.

Gab es in Hamburg schon Entscheidungen?

Nein, dass dauert auch eine Weile.

Ich muss doch nochmal auf das Thema Kinder zurück kommen – nicht nur, weil das ja auch zu dir gehört, sondern weil es natürlich für viele schon erstaunlich klingt, dass du das alle schaffst mit sechs Kindern.

Also vieles funktioniert heute natürlich auch gut von zu Hause aus per Telefon und Email. Und bei den ersten Auswärtsterminen hatte ich, wie gesagt, den Jüngsten meistens dabei – das war oft sogar ein Türöffner. Bei anderen Terminen ist mein Mann zu Hause bei den Kindern geblieben. Er arbeitet als Ingenieur, kann aber ab und zu auch Homeoffice machen oder mal Überstunden abbauen. Das funktioniert tatsächlich sehr gut, wir brauchen selten Hilfe von Oma und Co. Und jetzt ist unsere älteste Tochter auch schon elf – und wenn ich dann mal nur so zwei Stunden weg muss, dann übernimmt sie das Ruder.

Und keiner meutert?

Nein. Weißt du, wenn man mehr ist, dann wächst man da rein. Für die beiden Großen ist das ganz selbstverständlich, dass sie auch mal übernehmen. Das Zusammenwachsen in einer Großfamilie ist ganz anders. Hat man nur zwei Kinder, dann konzentriert man sich natürlich mehr auf diese beiden. Aber bei mehr teilt man sich das auf. Deswegen hat trotzdem jeder seine eigenen Sachen und Themen. Jeder bekommt genug – auch Zuwendung natürlich (sie lacht) und keiner muss zurückstecken. Und es ist wirklich schön zu sehen, wie sie sich gegenseitig so viel geben und nehmen. Und es funktioniert – sonst hätte ich schon längst das Handtuch geschmissen. Denn Familie geht bei mir immer vor und ist mir wichtiger als alles andere.

Aber trotzdem genießt Du es mit spriva noch ein ganz anderes eigenes Thema zu haben?

Auf alle Fälle. Ich habe mich immer, schon als ich nur zwei Kinder hatte, auch viel ehrenamtlich engagiert, zum Beispiel im Elternbeirat, als Spielgruppenleitung oder beim Eltern-Kind-Turnen. Für einen Job kommt heute natürlich nur die Selbstständigkeit in Frage – eine Anstellung könnte ich mit meinem Leben im Moment nicht vereinbaren. Und nur zu Hause zu sein, würde ich nicht aushalten. Da war auch die Motivation, immer dran zu bleiben um mir mein eigenes Geschäft aufzubauen. Und das kann ich gut mit der Familie vereinbaren.

Ich denke, das ist auch wichtig. Manchmal vergisst man, dass man es irgendwann bitter bereuen könnte, wenn man gar nichts eigenes mehr hat. Aber es ist auch toll, dass dein Mann dich unterstützt.

Unbedingt, man braucht auch mal jemanden, dem man sein Herz ausschütten kann und der einem immer wieder Mut zuspricht.

Was wäre jetzt wenn Du keinen Investor findest?

Also ich möchte auf alle Fälle weiter machen. Ich habe noch so viele Pläne und Ideen im Kopf. davon kann ich mich jetzt nicht mehr trennen!

Würdest du heute etwas anders machen, wenn Du die Zeit um drei Jahre zurückdrehen könntest?

Ich würde in vielen Dingen mehr auf mich selbst hören. Am Anfang habe ich mir, zum Beispiel beim alten Design, zu sehr reinreden lassen. Das war zwar eine Agentur, die schon viele Produkte begleitet hat, aber mein Gefühl hat mir damals trotzdem gesagt: „Das passt nicht!“ Aber dann hat man schon Geld investiert und denkt, dass man es jetzt halt durchziehen muss. Heute weiß ich: Ich hätte gleich auf mein Bauchgefühl hören müssen. Aber ich habe mir auch sagen lassen, dass das ganz normal ist und so eine Markteinführung einfach ihre Zeit dauert. Jetzt ist spriva etwa über ein Jahr auf dem Markt und braucht immer noch viel Zeit und Engagement vor allem um es einfach bekannt zu machen. Ein Investor würde mir natürlich viel helfen, aber ich schaffe es auch aus eigener Kraft.

Da bin ich mir ganz sicher – vielen Dank Regina für dieses Gespräch, das an sich schon einen Energie-Spritze war!

Mehr zu spriva und Regina Schneider www.spriva.de

 

 

 

Zur Verpackung der spriva Flaschen:

Umwelt & Verantwortung

PET-Regranulat PET-Flaschen und PET-Behälter sind umweltfreundliche Verpackungen, die zu 100% wiederverwendet werden können. Wir bei E-proPLAST mischen zum PET-Granulat auch sog. PET-Regranulat, welches aus dem Wiederverwertungskreislauf entstammt. Unsere technisch neuste Anlagentechnik arbeitet energieeffizient und sparsam. Entstehende Abwärme unserer Anlagen wird im Winter für die Beheizung unserer Lagerhallen und Büroräume verwendet. Darüberhinaus ist der gesamte Produktionsprozess von PET-Verpackungen um ein vielfaches energiesparender und umweltschonender als bei vergleichbaren Glasprodukten. http://www.e-proplast.eu

 

Bildnachweise: Regina Schneider, spriva

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