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29 und kein bisschen feige zurück

03. Mai 2019

(Utting am Ammersee) Als Lena Mielke kurz vor ihrem 28. Geburtstag zunächst den Eiskiosk und dann das Restaurant Lenas am See eröffnete, war die Skepsis in dem kleinen Ort Utting am Ammersee im Süden Münchens groß. In den letzten 30 Jahren war das wunderschöne Haus der Familie am Seeufer, verpachtet und ein gut eingeführtes jugoslawisches Restaurant. Nichts besonders Schickes, aber vertraut. Schaut man sich so manches Gastronomieprojekt am benachbarten Starnberger See an, kann man sich ganz gut vorstellen, dass die Uttinger „Angst“ hatten, nun würde auch hier ein „Schicki-Micki-Laden“ entstehen.

„Ich nehm das Cevapcici!“

Ein Jahr später kommt zwar noch ab und zu ein Gast ins „Lenas am See“, sagt, ohne Blick auf die Speisekarte: „Ich nehm’ das Cevapcici!“ und ist dann völlig überrascht, dass es das jetzt nicht mehr gibt. Doch die meisten bleiben. Und kommen wieder. Es läuft sehr gut für das Restaurant von Lena Mielke. Happy-End also? „Happy“ – ja, und stolz auf das, was sie bisher erreicht hat, „end“ – ganz sicher nicht und eigentlich muss man die Geschichte schon von Anfang an erzählen.

Echte Familiengeschichte

1950 eröffneten Lena Mielkes Urgroßeltern Georg und Else Steinlechner direkt neben dem Dampfersteg in Utting das Café am See, und in den 60er Jahren wurde die angrenzende Bootshalle zum Saal ausgebaut. Das Café am See wurde zur Institution. Lenas Großeltern Ludwig und Helga Schüßler geb. Steinlechner arbeiteten tatkräftig mit und auch Lenas Mutter hat einen Teil ihrer Jugend mit Tische abräumen und Getränkeeinschenken verbracht. Wenn Lena bei ihrer Oma am See war, war dort immer was los war, dies faszinierte das junge Mädchen schon damals und die Idee, das alles vielleicht einmal zu übernehmen, hatte sich festgesetzt.

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Abkehr von der aktiven Gastronomie

Doch dann verpachteten die Großeltern den Betrieb in den 80er an die Familie Pavic, die ein gut besuchtes jugoslawisches Restaurant daraus machten. Die Großeltern blieben zwar im Haus am See wohnen, betrieben aber beruflich gemeinsam eine Fachwerkstatt für Unimog- Fahrzeuge. Auch Lenas Eltern sind beide Rechtsanwälte mit eigener Kanzlei. Tante und Onkel stiegen bei den Unimogs ein – Gastronomie war also nur noch als Verpächter des Objekts ein Familienthema.

Der Virus sitzt

Aber bei Lena hatte sich die Idee so festgesetzt, dass sie nach dem Abitur zunächst ein Praktikum im Sternerestaurant „Tristan“ auf Mallorca machte. Und dort schreckten sie weder 16 Stunden Tage noch die Tatsache, dass sie als Praktikantin viel Arbeit für wenig Lohn machen durfte, ab. „Ich fand es irgendwie cool und habe beschlossen, doch erstmal nicht zu studieren und stattdessen eine Ausbildung zu machen“, erzählt sie. Um ein bisschen breiter als nur für den Bereich Restaurant aufgestellt zu sein, entschied sie sich für die Lehre zur Hotelfachfrau. Aufgrund ihrer sehr guten Ausbildungsergebnisse rieten ihr ihre Vorgesetzten dann dazu, auf jeden Fall noch ein Studium anzuschließen. „Ich habe mich dann für einen Bachelorabschluss im internationale Hotelmanagement an der renommierten Hotelfachschule in Den Haag entschieden.“ Karriere in Berlin und Heimweh Durch ein Pflichtpraktikum während des Studiums kam sie dann ins Fünf-Sterne-Haus The Ritz-Carlton, Berlin, blieb dort auch nach dem Studienabschluss und stieg bis zur Guest- Relations-Managerin auf. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine steile Hotelkarriere. Wenn da nicht immer diese schreckliche Sehnsucht gewesen wäre. „Ich hatte immer so wahnsinnig Heimweh. Ob in Holland oder in Berlin, es ging mir überall wirklich sehr gut. Aber ich wollte doch wieder an den See, dorthin wo man die Leute beim Einkaufen kennt, sich grüßt. Berlin ist toll, aber außer den unmittelbaren Nachbarn (vielleicht) und den Arbeitskollegen lebt man anonym“, erklärt die junge Gastronomin.

Der schönste Arbeitsplatz der Welt

Und dann saß sie wieder einmal daheim am See vor dem Restaurant und dachte: „Warum sollte ich das eigentlich nicht schaffen? Das hier ist der schönste Arbeitsplatz der Welt, warum mache ich es eigentlich nicht selbst?“ Man sieht noch heute das Leuchten in Lenas Augen, wenn sie von dieser „Eingebung“ erzählt.

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Familienrat

Als Lena ihrer Familie von ihrem Wunsch erzählte, waren die Reaktionen gemischt. Alle wussten ja, was Gastronomie bedeutet: Viel Arbeit, das meistens Tag und Nacht und wenig Freizeit. Andererseits würde mit ihr wieder jemand aus der Familie den Familienbesitz übernehmen, das Juwel am See. Lena: „Das war irgendwie auch ein großes Geschenk für die ganze Familie. Und nachdem der Familienrat getagt hatte, war auch schnell klar, dass alle dabei helfen. Und so ist es bis heute: Oma und Opa kümmern sich um die Außengestaltung und die Blumen, Mama und Papa stehen leidenschaftlich am Wochenende hinter der Bar, meine Cousins helfen im Eiskiosk tatkräftig mit. Wirklich jedes Familienmitglied ist irgendwie eingespannt.“ Der Pachtvertrag mit Familie Pavic wurde im gegenseitigen Einverständnis gelöst – „Wir haben ein sehr gute Verhältnis und sie hatten es ja eigentlich schon in dem Moment erwartet, als sie wussten, dass ich in die Hotellerie-Gastronomie gehe“ erklärt Lena.

Pläne und Konzepte

Lena fing noch in Berlin an, Pläne zu zeichnen, Konzepte zu erstellen. „Ich habe überlegt, was sich in den Häusern, in denen ich gearbeitet habe, immer bewährt hat, habe tausend Millionen Fotos auf dem Handy gesammelt mit Dingen, die ich schön fand. Ich wollte etwas ganz Neues - auch wenn meine Großeltern da tatsächlich meine größten Kritiker waren. Es war ja 50 Jahre gut gelaufen, so wie es war und ich wollte eine 180-Grad-Drehung. Ich musste sie also erst ins Boot ziehen und überzeugen. Dann haben wir uns irgendwann mit dem Architekten zusammengesetzt – und mit einem Statiker.“

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Böse Überraschung

Und der eröffnete der Familie dann, dass der Umbau deutlich größer werden müsste, als geplant. Denn durch die vielen Hochwasser des Ammersees war das Wasser so in die Wände eingedrungen, dass die tragenden Balken völlig morsch geworden waren. Die Jungunternehmerin: „Der Statiker meinte sogar, es hätte auch sein können, dass demnächst mal alles zusammenbricht.“ Also mussten alle Balken frei gelegt werden und das bedeutete im Grunde: Alle Wände mussten weg, Eins kam zum anderen, das Ganze wurde eine vollständige Kernsanierung und der Kredit bei der Bank musste nochmal ordentlich aufgestockt werden. Aber die Familie hielt zusammen und beschloss: „Jetzt gibt es kein Zurück mehr!“

Stürmischer Neuanfang

Lena zog ins Haus am See in die Einliegerwohnung ihrer Großeltern, bis ihre eigene Wohnung fertiggestellt wurde – „der schönste Platz zum Aufwachen“ und es begann eine Zeit harter Arbeit, über die Lena heute sagt: „Ich hab’ die Bauleitung selbst übernommen und musste den Spagat zwischen 15 bis 20 Gewerken hinbekommen und gleichzeitig eine Neueröffnung organisieren – etwas, das ich ja auch noch nie gemacht hatte – das war schon stressig. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und bin oft an meine Grenzen gekommen. Aber ich habe auch immer gespürt, dass wir bei der Auswahl unseres Architekten, großes Glück hatten, Adrian Bleschke war begeistert von unserem Projekt und alle Handwerker haben sich außergewöhnlich angestrengt, so dass wir dann tatsächlich wie geplant am 1. Juni 2017 unseren Eis-Kiosk direkt am See mit dem besonderen Angebot von 16 verschiedenen selbst hergestellten Eissorten nach original italienischem Rezept eröffnen konnten. Und genau zwei Monate später das „Lenas am See“! Die Eröffnung war begleitet von einem Gewitter, das im ganzen Landkreis den Strom ausfallen ließ. Alles, was mit Elektronik zu tun hatte, funktionierte von einer Sekunde auf die andere nicht mehr – dafür aber umso mehr die Gäste, die einfach von der Terrasse ins neue, modern-helle Restaurant kamen und bei Kerzenschein und Musik weiterfeierten.

„Ich stehe 100 Prozent hinter meinem Konzept“

Das „Lenas am See“ ist nicht nur „anders als vorher“, es ist ein von Grund auf neues Konzept. Optisch finden die Gäste ein stilvolles, modernes und authentisches Restaurant mit offenem Blick durch die tiefen Fenster auf das Ufer und den Ammersee. Im Sommer ohnehin einer der schönsten Plätze der Region, fühle ich mich beim Gespräch mit Lena im Dezember 2018 fast ein bisschen wie an einem ganz kleinen bayerischen Meer. Die Speisekarte ist modern, mit klassischen, aber auch überraschenden Gerichten, vor allem aber immer frisch und saisonal. Sie wechselt alle sechs Wochen, so wird es auch für Stammgäste nie langweilig. Die Chefin: „Ich möchte nur die Sachen anbieten, von denen ich zu 100 Prozent überzeugt bin. Bei uns wird alles frisch gekocht.“ Der Mut zur Konzeptänderung hat sich bewährt. Der Betrieb ist sehr gut angelaufen, selbst jetzt im Winter haben wir viel zu tun.

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Im Team und mit dem besten Küchenchef der Welt

Über 20 Mitarbeiter im Sommer und 13 im Winter – „im Grunde genommen sind wir ein kleines mittelständisches Unternehmen geworden“, lächelt die charmante Chefin. Und sie ist stolz darauf, dass auch die Gäste bemerken, was ihr selbst so wichtig ist: „Bei uns ist jeder Mitarbeiter authentisch, echt und jeder darf sich einbringen. Es ist nicht nur Chefkochsache, die Karte zu entwickeln. Jeder kann seine Ideen vorstellen, so hat auch jeder seine eigene Signatur und wir haben einen tollen Teamzusammenhalt. Und genau das bekommen wir auch oft als Feedback von unseren Gästen mitgeteilt.“ Und dann hatte sie natürlich auch „wahnsinnig Glück mit meinem Küchenchef Lukas Vavrecka. Wir beide haben uns nie gesucht, sondern einfach gefunden und waren von Anfang an die Zugpferde hier – gemeinsam.“ Ich wundere mich genau so lange über diese sehr emotionale Beschreibung, bis ich Lena frage, was denn eigentlich ihr Partner zu ihrem Engagement und den sicher langen Arbeitszeiten sagt. Die Antwort: „Er ist der Küchenchef!“ Na dann!

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Das volle Programm

„Wir hatten hier schon fast alles. Hochzeiten, Geburtstage, Weihnachtsfeiern“ erzählt, die Chefin, die übriges natürlich immer und überall selbst mit anpackt. Die Silvestergala 2018/19 war schon lange im Voraus ausgebucht und der eigene Weinevent im Herbst stieß auf sehr positives Echo der Gäste. Woran’s liegt? Daran, dass Lena Mielke mit großer Professionalität, ebenso großem Engagement und einem sicheren Gespür dafür, welches Konzept hier an diesem „schönsten Platz der Welt“ noch gefehlt hatte, an ihr Herzensprojekt gegangen ist. Wenn sie heute sagt „Ich habe noch viele Ideen im Kopf“, dann glaubt man ihr das sofort und kann davon ausgehen: sie werden gut durchdacht sein, die ganze Familie steht dahinter und es wird funktionieren. Viel Glück !

www.lenasamsee.de

Ausschnitt aus der Speisekarte vom Mai 2019

BÄRLAUCHCREMESUPPE Buttercroutons € 8

FRUCHTIGE ZITRONENGRASSUPPE Wan-Tan-Chip € 8

AMMERSEEZANDER-SCHAUMSUPPE Zander-Tortelloni € 10

BÜFFELMOZZARELLA Birnen-Balsamico-Chutney, Pumpernickel, Nüsse € 10

LAMMTATAR Minze, Chili, Wachteleigelb, Sauerteigbrot € 14

CARPACCIO VOM PULPO Ingwer-Limetten-Vinaigrette, Frisée, Tomate € 13

AMMERSEERENKE "MATJES ART" Apfel, Zwiebel, Gurke, Salatbouquet € 11

 

GEFÜLLTE BÄRLAUCH-GNOCCHI Baby-Spinat, Cherrytomaten, Pinienkerne € 15

GRÜNES CURRY Kürbis, Edamame, Paprika, Blumenkohl, Kokosmilch, Jasminreis € 16 mit Black Tiger Garnelen € 21

SAIBLINGSFILET Pilzragout, Rhabarber, Roquefort € 20

WOLFSBARSCHFILET Couscous, Okra, Paprika, Tomatenschaum € 22

GESCHMORTE OCHSENBACKEN Fregola Sarda, Bärlauch, Petersilienwurzelpüree € 19

PHO BOWL - KLARE SUPPE Reisbandnudeln, Huhn, Champignons, Spitzkohl, Chili, Koriander € 16

 

WIENER SCHNITZEL VOM KALB Preiselbeeren, Kartoffelsalat € 19

GEGRILLTE AMMERSEERENKE Gemischter Salat € 15

SPANFERKEL BURGER Brioche, Tomate, Gurke, Kimchi, Süßkartoffelpommes, Aprikosendip € 15

und natürlich feine süße Desserts - oder Eis am Steg!

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