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07. November 2018

Kaktus könnte ich nicht verkaufen - Ingrid Gallus und ihr Schnapswerk

München - Chiemsee - Drei Mal Dult und zwei mal Tollwood. Das sind die festen Termine für Ingrid Gallus, um ihre Schnäpse, Liköre und Essige Neugenießern und Stammkunden zu verkaufen. Ees gibt sie aber auch online!. Letztere werden immer mehr, denn viele der Produkte des „Schnapswerk“ machen einfach süchtig. Ein hochprozentiges Gespräch unter Damen – und einem Enkel.

Du hast früher Pfannen verkauft – wie kommt man da auf den Schnaps?

Eigentlich ganz einfach. Indem man selbst gerne genießt und auch gut und gerne kocht. Denn das gehört doch alles irgendwie zusammen. Wobei die Grundidee war vor allem, etwas zu finden, das mir die Kunden immer wieder bringt. Bei den Pfannen gibt es nämich ein großes Problem: Gute Pfannen halten ewig. Um seine Kunden also öfter zu sehen, müsste man schlechte Qualität verkaufen. Das wollte und will ich nicht. Also habe nach einem Produkt gesucht, das super gut ist und bei dem die Leute Nachschub brauchen.

Und dann sollte es etwas sein, was Du selbst magst?

Genau, ich würde immer nur verkaufen, was mir selbst gefällt, etwas das zu mir passt. Deswegen könnte ich zum Beispiel keinen Kaktus verkaufen. Nicht, weil ich Kakteen nicht schön finde, aber ich kann mich nicht damit identifizieren. Ich bin kein so stacheliger Mensch. Mit dem Schnaps und den Likören und Essigen aber kann ich mich identifizieren. Vor allem, weil es da um guten Geschmack geht. Damit kann man die Leute auch infizieren, das macht Spaß.

Hast Du dann Brennerei gelernt?

Ach was, um noch den Destilliermeister zu machen, war ich doch schon zu alt. Aber ich arbeite mit zwei Destilliermeistern zusammen, die für uns brennen und vor allem auch lagern. Denn viele unserer Schnäpse bekommen ihre Qualität auch dadurch, dass sie mindestens 48 Monate in Holzfässern lagern. Die Schnellgebrannten erkennt man meistens daran, dass sie richtig runterbrennen und der Geschmack dabei auf der Strecke bleibt.

Wird noch viel im Holzfass gelagert? Beim Bier gibt es das ja kaum noch. bzw. ist es jetzt wieder Trend.

Bei uns ist es bisher schon so geblieben und ich hoffe auch noch lange. Denn heute werden ja schon viele Schnäpse, die im Edelstahlfass lagern mit Farbstoff versehen, damit es nach Holzfass aussieht. Dabei finde ich schon, dass die Holzfasslagerung, wie ja auch beim Whiskey, einen ganz anderen Geschmack erzeugt

Bei Dir gibt es aber auch Liköre, die einen jedes Vorurteil gegenüber „Likörchen“ für die älteren Damen vergessen lassen. Wenn ich Freundinnen zu Besuch habe und denen einen  Likör anbiete, ernte ich immer erst Empörung und wenn sie dann einen von Dir probiert haben, wollen sie gleich noch ein Gläschen?

Stimmt, es muss ja nicht immer Edelkirsch und Eierlikör sein. Liköre sind ja einfacher in der Produktion, weil sie nicht gelagert werden müssen. Je nachdem welche Grundlage sie haben, brauchen sie so vier bis sechs Wochen. Da mache ich Muster bevor ich sie in die Produktion gebe. Bei Likör kommt es vor allem darauf an, dass man einen exzellent guten Alkohol als Grundlage verwendet, mit billigem Körn oder Vodka wird das nichts. Wir machen je nach Saison immer andere Sorten. Unsere Kunden wissen auch, im Spät-Sommer gibt es den Marillen-Limes. Denn dann haben wir, sowohl aus dem eigenen Garten am Chiemsee als auch aus der Wachau, die frischen Marillen.. Vom roten Pfirsichlikör mache ich normalerweise so große Mengen, dass er das ganze Jahr reicht, aber manchmal wird es dann im Frühjahr schon knapp.

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Machst Du den Grappa auch selbst?

Nein, den kaufe ich natürlich zu. Da muss man in die Region fahren und einfach die besten Produzenten und Lieferanten finden. Und wenn man den gefunden hat, der am besten schmeckt, dann kommt er fast immer auch der Kundschaft. Das ist das wichtigste in unserem Geschäft. Ich stelle mein Sortiment immer nach dem zusammen, was beim Kunden geht. Davon leben wir schließlich.

Wie wählst Du aus, was Du in Dein Sortiment aufnimmst?

Die Auswahl erfolgt bei uns ja im Familienrat. Obwohl nicht die ganze Familie aktiv ins Geschäft eingebunden ist, probiert wird – abgesehen von den kleinen Enkeln, die noch keinen Alkohol trinken dürfen – gemeinsam. Das heißt, wir sitzen alle zusammen, meine beiden Söhne, meine Tochter, die entsprechenden Lebenspartner, natürlich mein großer Enkel, der ja auch mit im Geschäft ist und manchmal auch noch Freunde.

Auf den Markt geht also die Oma mit dem Enkel ...

Ja, die anderen sind die Tester und sie arbeiten auch mit , wenn es mal erforderlich ist. Aber wir sind ja kein Betrieb der 10 Festangestellte braucht. Sandro ist schon mal mitgekommen, seit dem er 18 ist und seit vier Jahren jetzt fest dabei. Irgendwer muss ja schließlich auch mal übernehmen. Ich bemühe mich auch, nett zu ihm zu sein (lacht)

Sandro, ist sie nett?

Nett auf alle Fälle. Aber die Ingrid ist ja auch eine sehr erfahrene Marktfrau. Da weiß Sie schon sehr genau, was sie will. Damit musste ich erst mal lernen umzugehen.

Aber Marktstand war ok für Dich? Es ist ja kein Alltagsberuf.

Ich hab’ eigentlich Koch gelernt. Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich das nicht für den Rest meines Lebens machen möchte. Ab und zu hab’ ich bei der Ingrid ja schon ausgeholfen, und irgendwann hat sie mich gefragt, ob ich nicht ganz einsteigen möchte.. Zuerst hatte ich wirklich Bedenken. Auch wenn man es aus der eigenen Familie kennt, irgendwie hat man doch Vorurteile gegenüber reisenden Marktleuten. Aber heute finde ich’s gut. Es gibt mir auch Freiheiten, die ich in einem normalen Job nicht hätte. Und ich hab’ direkt mit Menschen zu tun, stehe nicht nur in einer Küche.

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Sandro ist immer dabei - hier auf dem Sommer-Tollwood in München

Ingrid, Du als Frau am Stand mit harten Sachen. Wundern sich die Kunden da?

Im Gegenteil. Es kommen ja absolut nicht nur Männer zu uns. Sondern auch unglaublich viele Frauen, die gerne ein Schnäpschen oder Likörchen trinken, wie Ihr zwei ja auch gerade. Und die schätzen unsere fachliche Beratung. Der Kunde kann ja nicht immer alles probieren, was er kaufen möchte. Also müssen wir ihm unsere Produkte gut beschreiben können. Ob der Geschmack süßer oder schärfer ist, wie man zum Beispiel Öle und Essige miteinander verbinden kann und so weiter.

Das heißt: Du gibt’s auch richtige Tipps zum Beispiel für die Aperitifessige?

Ja natürlich. Den Mango-Essig kann ich zum Beispiel mit etwas Wasser verdünnt wirklich vor dem Essen als Aperitif trinken. Das schmeckt nicht nur gut, sondern ist auch gut für die Verdauung. Aber ich kann ihn auch in Kombination mit dem Orangenöl für ein wunderbares Dressing verwenden.

Dazu hat uns Ingrid Gallus auch da Rezept für einen leckeren Salat verraten.. (siehe unten)   

Was ist denn der Renner bei den Essigen und Ölen?

Das man gar nicht so sagen. Es ist eben auch saisonbedingt. Zurzeit habe ich zum Beispiel einen Blutorangeessig mit nur drei Prozent Säure, der genial für Salate ist. Ich mache einen Linsensalat mit Entenbrüstchen, da kommt dann ganz, ganz fein gehacktes Gemüse rein, ganz fein gehackte Paprika und dann ein Oliven - oder das Zitronenöl und das ganze mit dem Blutorangenbalsam mischen- klasse.

Ich sehe schon, bei Dir muss man sich öfter mal Tipps holen. Das freut mich, dann ist unser Konzept ja aufgegangen. Es ist auch wirklich schön, wie viele Stammkunden wir inzwischen haben. Sie können ja auch ihre leeren Flaschen immer wieder zu uns bringen und sie hier auffüllen lassen.

Drei Mal Dult, zwei mal Tollwood, was machst Du eigentlich den Rest der Zeit?

Dann produzieren wir, entwickeln neue Rezepte, das erfordert auch Zeit. Vielleicht will der Sandro mal irgendwann noch expandieren, aber mir reicht es so. Die Kraft und Kreativität, die ich brauche, hole ich mir dann beim Spazierengehen mit meinem Hund. Man braucht auch Zeit für sich selbst. Mein Lieblingsspruch ist: „Lass den Abwasch stehen und lebe.“

Wer weder Dult noch Tollwood abwarten will, kann die Produkte des Schnapswerks auch Online bestellen. Aber versprochen, der Besuch am Stand macht noch viel mehr Spaß.

www.schnapswerk.de

 

Rezept für Feldsalat mit Mango

für vier Personen

SchnapswerkSalatSalat-5.jpg

Feldsalat (ca. 75 Gramm pro Person)

2 reife Mangos zum Filetieren

50 Gramm Gorgonzola, klein gewürfelt

Mango-Essig

Orangenöl

ein halbes Glas Orangensaft

Salz

Schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Die beiden Mangos halbieren, entkernen und in Streifen schneiden

Mit dem Mango-Essig, dem Orangenöl, dem Orangensaft, Salz und schwarzem Pfeffer eine Vinaigrette anrühren.

Den Salat auf vier Teller verteilen, mit der Vinaigrette begießen und ganz zum Schluss den klein gewürfelten Gorgonzola darüber streuen.

Wer möchte kann statt der Mangoscheiben auch Orangen verwenden. Dann die einzelnen Schnitze schälen.

 

 

 

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